aggressiver Hund

Aggressiver Hund – Ursachen und was du dagegen tun kannst

Wer einmal einem aggressiven Hund gegenüberstand weiß, wie bedrohlich eine solche Situation sein kann. Was aber wenn der eigene Hund plötzlich Aggressionen zeigt und Menschen oder andere Hunde bedroht? Welche Ursachen das aggressive Verhalten deines Vierbeiners haben kann, was du dagegen tun kannst und noch vieles mehr, erfährst du in diesem Artikel. Viel Spaß beim Lesen!

Inhalt

  1. Was sind die Ursachen für aggressives Verhalten beim Hund?
  2. Die ersten Anzeichen für aggressives Verhalten
  3. Was kann ich tun, wenn mein Hund aggressiv ist?
  4. Wie verhalte ich mich gegenüber einem aggressiven Hund?
  5. Aggressiver Hund an der Leine – was kann ich tun?
  6. Was kann ich tun, wenn mein Hund aggressiv auf Kinder reagiert?
  7. Was kann ich tun, wenn mein Hund aggressiv auf Artgenossen reagiert?
  8. Kann es sein, dass ein aggressiver Hund eingeschläfert werden muss?
  9. Welche Fehler gibt es im Umgang mit aggressiven Hunden?

Was sind die Ursachen für aggressives Verhalten beim Hund?

Die Ursachen für einen aggressiven Hund sind sehr vielfältig. Kein Hund ist von Natur aus aggressiv oder wird über Nacht bösartig. Folgende Dinge können zu Aggressionen bei deinem Vierbeiner führen:

  • Erziehung: Misshandlung von früheren Besitzern, fehlende Erziehung, ungeeignete Trainingsmethoden, missverständliche Kommunikation zwischen Mensch und Hund oder eine mangelnde Rangordnung können bei Hunden zu einem aggressiven Verhalten führen. Wenn du mehr über das Thema Hundeerziehung wissen möchtest, findest du dazu einen eigenen Artikel auf unserem Blog.
  • Fehlende Sozialisation: Es ist sehr wichtig, bereits deinen Welpen mit unterschiedlichen Situationen zu konfrontieren. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Alltagssituationen, wechselnde Untergründe, Geräuschtraining, Menschenmengen, Autofahren und der Kontakt zu anderen Hunden. Fehlt das in der Erziehung, fühlt sich dein Hund in vielen, für ihn fremden, Situationen überfordert und reagiert aus Unsicherheit aggressiv.
  • Unsicherheit und Angst: Ein unsicherer oder ängstlicher Hund kann oftmals aggressiv reagieren. Ängste und Unsicherheiten können beispielsweise in der Erziehung entstehen. Merkt dein Hund, dass du selbst unsicher bist, fühlt er sich bei dir nicht sicher und kann in bestimmten Situationen aggressiv reagieren. Ängste vor bestimmten Dingen, Menschen oder anderen Hunden können auch durch schlechte Erfahrungen entstehen. Besonders bei Hunden aus dem Tierheim oder Ausland ist dies oft der Fall. Anzeichen für Angst bei deinem Hund sind beispielsweise eine erhöhte Wachsamkeit, Hecheln, Ablehnen von Futter, Zittern, plötzliches Pinkeln, Lefzenlecken, angelegte Ohren oder Fluchtversuche.
  • Wach- und Schutztrieb: Kommt es zu Situationen, in denen dein Vierbeiner denkt, dich oder sein Revier beschützen zu müssen, kann das gefährlich werden. Er übernimmt die Führung und lässt sich meist sehr schwer wieder von dir unter Kontrolle bringen. Häufig kommt es zu einem solchen Verhalten, wenn dich dein Hund in der Erziehung nicht als souveränen Rudelführer akzeptiert hat oder er nicht ausreichend sozialisiert wurde.
  • Krankheiten: Schmerzen aufgrund einer Erkrankung deines Hundes können ebenfalls eine Ursache sein. Vor allem wenn dein Vierbeiner dich anknurrt oder beißt, sobald du ihn an einer bestimmten Stelle berührst. Auch neurologische Probleme und damit einhergehende Veränderungen im Gehirn, können ein angriffslustiges Verhalten bei deinem Hund hervorrufen. Suche bei solch einem Verhalten unbedingt einen Tierarzt auf und lass dich fachkundig beraten.
  • Verteidigen der Rangordnung: Hier kann ein aggressiver Hund entstehen, wenn er gegenüber Artgenossen oder vielleicht sogar gegenüber dir, seine Position in der Rangordnung verteidigen oder aufsteigen möchte. Falls du mehrere Hunde hast, ist es normal, dass einer der ranghöchste Hund ist und die anderen beispielsweise nicht an sein Futter lässt. Dir gegenüber sollte sich dein Hund jedoch nicht so verhalten. Es sollte auch möglich sein, ihm das Futter oder ein Spielzeug problemlos kurz abnehmen zu können. Ist dies nicht der Fall, solltest du mit deinem Vierbeiner nochmal mit den Erziehungsgrundlagen starten und ihm klar machen, dass du an ranghöchster Stelle bist. Das heißt natürlich nicht, dass du grob zu deinem Hund werden oder ihn anschreien musst. Eine konsequente und artgerechte Erziehung ist hier der Schlüssel. Bessert sich das Verhalten deines Hundes nicht, solltest du dir, beispielsweise bei einer Hundeschule, Hilfe suchen und dich fundiert informieren. 
  • Pubertät: Ähnlich wie beim Menschen gibt es dies auch bei Hunden. Die Pubertät beginnt bei Hunden etwa ab dem 7. Lebensmonat und kann bis zum 2. Lebensjahr dauern. Manche Rüden beginnen in dieser Zeit aufgrund der Hormone, ihre Grenzen auszutesten und sich dominant zu verhalten. Hündinnen neigen dazu, während ihrer ersten Läufigkeit ein sehr territoriales Verhalten zu zeigen, also ihr Revier zu verteidigen.
  • Erbanlagen: Aggressives Verhalten ist nicht angeboren. Keine Rasse ist grundsätzlich gewaltbereit und keine Rasse ist komplett frei von aggressivem Verhalten. Es gibt einige Hunderassen, die aufgrund ihrer Abstammung und dem ursprünglichen Zuchtziel, beispielsweise um den Hof und die Herde zu bewachen, eher zu aggressivem Verhalten neigen. Solche Rassen sind beispielsweise Mastiffs, Pitbull Terrier oder Staffordshire Terrier. Bei ihnen ist eine niedrige Reizschwelle und eine hohe Beißkraft züchterisch erwünscht. Die genannten Rassen gehören außerdem zu den sogenannten Listenhunden, welche in einigen Bundesländern zum Tragen eines Maulkorbs verpflichtet sind. Als Halter dieser Hunde musst du unter anderem eine Sachkundeprüfung und ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorweisen. Mit der richtigen Erziehung entwickelt sich aber auch bei diesen Rassen aggressives Verhalten nicht oder kann in den Griff bekommen werden. Genau so können auch vermeintlich ruhige und ausgeglichene Rassen durch die falsche Erziehung Aggressionen entwickeln.
  • Falsche Haltung: Ein Mangel an Bewegung, Zuwendung und Auslastung sorgt dafür, dass es deinem Hund nicht gut geht, was sich durchaus in Aggressionen äußern kann. Sowohl die körperliche als auch die geistige Beschäftigung ist wichtig für das Wohlbefinden deines Hundes. Aber Achtung: Zu viel Bewegung und dadurch ständige Erschöpfung ist für deinen Hund auch nicht gut! Je nach Rasse haben Hunde unterschiedliche Bedürfnisse. Du kannst dich bei deiner Hundeschule informieren, wie viel Beschäftigung dein Vierbeiner braucht.
  • Falsches Futter: Bekommt dein Hund zu energiereiches Futter, mit beispielsweise zu viel Eiweiß, kann es zu einer überlasteten Leber kommen. Den Überschuss an Energie lebt dein Vierbeiner eventuell durch Aggressionen aus, wenn er nicht anderweitig genug beschäftigt wird.
  • Jagdtrieb: Ein unausgelasteter Hund mit einem ausgeprägten Jagdtrieb, kann durch plötzliche Bewegungen fehlgeleitet werden und aggressiv reagieren. Der Jagdreflex setzt ein und der Hund verfolgt angriffslustig beispielsweise Jogger, Radfahrer oder spielende Kinder.
  • Leinenaggressivität: Manche Hunde die eigentlich friedlich sind, zeigen aggressives Verhalten sobald sie angeleint werden. Diese Aggressionen können sich gegen Artgenossen aber auch gegen Menschen richten. Die Leine beschränkt die Körpersprache und die Bewegungsmöglichkeiten eines Hundes, was bei manchen Hunden zu Unsicherheit und Aggressionen führen kann. 

Ein aggressiver Hund kann also zahlreiche Gründe für sein Verhalten haben. Beobachte deinen Vierbeiner genau und versuche herauszufinden, weshalb er sich so verhält.

Hund zeigt die Zähne

Die ersten Anzeichen für aggressives Verhalten

Ob sich dein Hund aggressiv verhält, kannst du schnell an seiner Körpersprache ablesen. Normalerweise lassen sich die Warnzeichen immer erkennen, bevor dein Hund wirklich zum Angriff übergeht. Solche Anzeichen sind beispielsweise Knurren, Anstarren, Bellen, gefletschte Zähne, hochgezogene Lefzen, ein angespannter Körper und aufgestelltes Nackenfell. Werden diese Warnungen ignoriert, kann es dazu kommen, dass dein Hund zunächst schnappt und anschließend ernsthaft angreift. Sofern du auf die genannten Warnsignale achtest, sollte es jedoch nicht so weit kommen.

Falls du einen sehr ängstlichen und deshalb aggressiv handelnden Hund hast, sehen die Warnzeichen in der Regel anders aus. Ein Hund der Angst hat, macht meist einen runden Buckel, legt Schwanz und Ohren an, knickt die Hinterbeine ein und winselt. Die Drohgebärden deines Hundes solltest du immer ernst nehmen, um Angriffe zu vermeiden und die Situation zu deeskalieren.

Bedenke, dass nicht jedes Knurren gleich heißt, dass dies ein dauerhaft aggressiver Hund ist. Drohverhalten ist in bestimmten Situationen wichtig für deinen Vierbeiner, um sein Revier oder seine Privatsphäre zu verteidigen. Wird dein Vierbeiner beispielsweise einfach von fremden Personen angefasst, darf er kurz knurren und damit zeigen, dass er dies nicht möchte. Jeder Hund, ja sogar jedes Lebewesen, braucht ein gewisses Maß an aggressivem Verhalten, um sich überlebenswichtige Ressourcen zu sichern. Wir bauen ja auch Zäune um unsere Grundstücke oder vertreiben Falschparker von unseren Privatparkplätzen, weil wir unser Revier für uns haben möchten.

ängstlicher Hund

Was kann ich tun, wenn mein Hund aggressiv ist?

Im ersten Schritt musst du die Ursachen für das aggressive Verhalten deines Hundes finden. Einige mögliche Ursachen findest du am Anfang dieses Artikels. Ein Hund wird in der Regel nie aggressiv nur weil er Freude daran hat. Es geschieht meist weil er unsicher ist, sich in der Situation unwohl fühlt oder gelernt hat, mit dem Verhalten voran zu kommen.

Sobald du die Gründe für die Aggressionen kennst, kannst du den zweiten Schritt machen. Dieser besteht daraus, die bestimmten Situationen und Reize zunächst zu vermeiden, die deinen Hund zu dem unerwünschten Verhalten anregen. Wenn du beispielsweise herausgefunden hast, dass sich dein Vierbeiner bei großen Menschenmengen oder bei Kontakt mit Artgenossen aufregt und aggressiv wird, versuche dem vorerst aus dem Weg zu gehen. Mach im Training einen Schritt zurück und festige die Gehorsamkeitsregeln und die Beziehung zwischen dir und deinem Hund. Versuche immer selbstbewusst aufzutreten und deinem Hund zu zeigen, dass du den Ton angibst. Dabei sollte nie übertriebene Strenge oder Gewalt zum Einsatz kommen. Selbstsicherheit, Konsequenz und eine positive Ausstrahlung geben deinem Hund Sicherheit und die Möglichkeit, sich an dir zu orientieren.

Im dritten Schritt geht es nun darum, deinen Hund an die Situationen zu gewöhnen, die bei ihm Aggressionen auslösen. Sobald er dir vertraut und auf deine Kommandos hört, kannst du mit Hilfe einer qualifizierten Person an den Problemen arbeiten. Das Ziel dabei ist es, deinen Hund für die aggressionsauslösenden Reize zu desensibilisieren, damit solche Situationen irgendwann kein Problem mehr sind. Hole dir hierfür unbedingt Hilfe von Experten, um wieder ein schönes Zusammenleben mit deinem Hund zu erreichen. Solche Experten können Hundetrainer, Hundepsychologen oder Problemhundetherapeuten sein. Sich in einer solchen Situation Hilfe zu holen bedeutet nicht, dass du versagt hast. Es zeigt, dass du alles für deinen Vierbeiner tust, um ihm ein ruhigeres und ausgeglicheneres Leben zu ermöglichen. Denke auch daran, immer geduldig mit deinem Hund zu sein. Er kann sich nicht innerhalb kürzester Zeit komplett ändern und braucht vielleicht sogar Jahre.

Hier ist nochmal die Übersicht der Schritte:

  1. Finde die Ursachen der Aggressivität 
  2. Versuche Situation und Reize zu vermeiden, die Aggressionen auslösen
  3. Gewöhne deinen Hund an diese Situation und desensibilisiere ihn oder sie

Sollte dein Hund hochgradig aggressiv auf dich oder andere Menschen reagieren, kontaktiere am besten sofort eine qualifizierte Person. Der allerletzte Schritt sollte immer das Abgeben des Hundes oder im schlimmsten Fall die Euthanasie, also das Einschläfern, sein. Bevor es zu letzterem kommt, kannst du deinen Hund zunächst an Experten geben, die auf aggressive Hunde spezialisiert sind. In den meisten Fällen gelingt es ihnen, den Hund händelbar zu machen, auch wenn er anschließend vielleicht in Hände muss, die damit erfahrener sind.

aggressive Hunde

Wie verhalte ich mich gegenüber einem aggressiven Hund?

Wenn dein Hund aggressives Verhalten dir gegenüber zeigt oder du vielleicht sogar unvorbereitet auf einen angriffslustigen Hund triffst, solltest du immer zunächst versuchen die Situation zu deeskalieren. Bleib unbedingt stehen, da Wegrennen den Jagdreflex des Hundes auslösen kann. Versuche auch keine schnellen und plötzlichen Bewegungen, beispielsweise Herumfuchteln mit den Armen, zu machen und fang nicht an zu schreien. Falls möglich, kannst du versuchen ein großes Objekt zwischen dich und den Hund zu bringen. Bewege dich dabei langsam und wende dich seitlich zu dem Hund. Schaue ihn nicht frontal an und drehe ihm auch nicht den Rücken zu.

Wenn du dich wie oben beschrieben und so unauffällig wie möglich verhalten hast, verliert der Hund im besten Fall bald das Interesse an dir. Wenn dies nicht geschieht und er tatsächlich angreift, versuche etwas vor dich zu halten, in das der Hund beißen kann. Das kann beispielsweise eine Handtasche sein. Viele kennen die misslichen und gefährlichen Situationen, die hier entstehen können. Daher ist es umso ratsamer ruhig zu bleiben, wenn dir ein aggressiver Hund begegnet .

Aggressiver Hund an der Leine – was kann ich tun?

Aggressives Verhalten an der Leine kann sehr gefährlich für andere Hunde oder Menschen werden. Übe hier am besten in einer Hundeschule, wie dein Hund solche Situationen zukünftig ruhig meistern kann. Meist wird in einer Hundeschule bereits präventiv dafür gesorgt, dass dein Hund keine Leinenaggression entwickelt. Dies wird durch Sozialisierung mit unterschiedlichen Hunderassen, Impulskontrolle, Leinenführigkeit und Klären der Rangordnung erreicht. 

Falls dein Hund draußen bereits sehr starke Aggressionen zeigt und noch dazu nicht auf dich und deine Kommandos hört, solltest du zunächst mit einem Maulkorb arbeiten. Diesen muss dein Hund keinesfalls für immer tragen. Er dient lediglich der Sicherheit, bis du deinen Hund umerzogen hast. Der Maulkorb darf nicht zu eng sein, lasse dich hierfür am besten beraten. Das Anlegen des Maulkorbs übst du zunächst Zuhause, damit dein Vierbeiner keine Panik bekommt. Dazu legst du anfangs ein paar Leckerlis in den Maulkorb, an die dein Hund nur kommt, wenn er mit der Schnauze hinein geht. Nach und nach kannst du den Maulkorb zunächst für ein paar Minuten und dann immer länger schließen. Lasse dich bei deinen Spaziergängen nicht von den Blicken oder Kommentaren anderer Leute verunsichern. Schließlich passt du auf, dass dein Hund niemanden verletzen kann und arbeitest mit ihm auf ein Leben ohne Maulkorb hin.

Falls du grundlegende Tipps und Informationen zum Thema Leinenführigkeit möchtest, haben wir dazu einen eigenen Artikel auf unserem Blog.

Was kann ich tun, wenn mein Hund aggressiv auf Kinder reagiert?

Beobachte zunächst ob dein Hund gegenüber Kindern ernsthafte Aggressionen zeigt oder ob er einfach nur spielen möchte. Bei kleinen, schutzlos wirkenden Kindern, kann ein spielerisches Verhalten deines Hundes schnell ungestüm oder bösartig aussehen. Springt er beispielsweise an einem Kind hoch, fällt dieses meist direkt um. Dennoch ist er deswegen noch lange kein aggressiver Hund. Es ist natürlich trotzdem Vorsicht geboten, damit dein Hund das Kind nicht unabsichtlich verletzt.

Reagiert dein Hund aber wirklich aggressiv auf Kinder, kann das sehr gefährlich werden. Bei diesem Problem solltest du sofort professionelle Hilfe hinzuziehen. Leider wird hier nicht selten geraten, den Hund einschläfern zu lassen. So weit muss es aber in der Regel nicht kommen. Die meisten Hunde sind mit Kindern einfach überfordert, wenn sie diese nicht von klein auf gewöhnt sind. Oft gehen Kinder unabsichtlich sehr falsch mit Hunden um. Sie laufen einfach auf ihn zu, fassen ihn überall an, ziehen an seinem Fell, nehmen sein Spielzeug oder Futter weg und stören ihn beim Schlafen. Allein das generell hektische, laute und unvorsichtige Auftreten von Kindern kann für manche Hunde zu viel sein. Hier ist es die Aufgabe der Erwachsenen, dem Kind den richtigen Umgang mit einem Hund und seine Signale zu erklären. Des Weiteren sollten Kinder generell nur unter Aufsicht einen Hund anfassen.

Falls du die Möglichkeit hast, deinen Hund bereits als Welpe in der Sozialisierungsphase an Kinder zu gewöhnen, solltest du das unbedingt tun. Das hilft spätere Probleme zu vermeiden, bevor ein aggressiver Hund entsteht. Andersrum müssen auch die Kinder früh lernen, wie sie sich gegenüber einem Hund verhalten können, ohne ihn zu verletzen oder zu ärgern. Falls du nicht die Möglichkeit hast, deinen Hund an Kinder zu gewöhnen, kannst du dennoch tollpatschiges Anfassen simulieren. Dein Hund kann sich dadurch an unvorhergesehene Berührungen gewöhnen, sodass diese später kein Problem darstellen, wenn sie von einem Kind kommen.

Natürlich kann es trotz Training sein, dass dein Hund keine Anstalten macht, sich an Kinder zu gewöhnen. Aber auch dann, kann ein Umgebungswechsel an einen kinderfreien Ort oft schon ausreichend sein, um die Aggressionen verschwinden zu lassen. Danach kann, zunächst auf Abstand, eine Schritt-für-Schritt Gewöhnung mit einem ruhigen Kind geübt werden. So kannst du deinem Hund eine neue Chance ermöglichen.

Hund zeigt Kind die Zähne

Was kann ich tun, wenn mein Hund aggressiv auf Artgenossen reagiert?

Dieses Problem ist zwar ebenfalls ernst, aber einfacher zu lösen als Aggressionen gegenüber Menschen. Überlege zunächst, weshalb dein Hund so auf Artgenossen reagiert. Vielleicht hat er schlechte Erfahrungen gemacht oder denkt, dass er dich beschützen muss. Gibt es Schlüsselerlebnisse aus der Vergangenheit? Falls dein Hund Angst vor anderen Hunden hat, kannst du versuchen sein Selbstbewusstsein zu steigern. Das klappt beispielsweise, indem du mit ihm Hundesport machst oder ihm Aufgaben stellst, bei denen du ihn viel loben kannst und er ein Erfolgserlebnis hat.

Falls ein aggressiver Hund nur so reagiert, weil er dich beschützen möchte, musst du an dir selbst arbeiten. Zeig deinem Hund, dass du der Rudelführer bist, der auf euch beide aufpassen kann. Tritt selbstbewusst auf und lass deinen Vierbeiner Platz machen, wenn andere Hunde entgegenkommen. Er soll mit seiner Aufmerksamkeit bei dir sein und die Artgenossen irgendwann ignorieren. Hier ist die Leinenführigkeit in Kombination mit der Impulskontrolle wichtig. Achte du darauf, dass du möglichst entspannt, souverän und gut gelaunt in der Gegenwart anderer Hunde bist. Dein Hund spürt und sieht dein Verhalten und passt sich daran an.

Falls dein Hund auf einen Artgenossen losgeht, signalisiere ihm mit einem deutlichen „Nein“, dass er dies nicht darf. Lenke deinen Vierbeiner ab und begib dich aus der Situation. Wende auf keinen Fall Gewalt an oder Schreie deinen Hund an. Falls du das Problem nicht lösen kannst, übe mit professioneller Hilfe den Kontakt zwischen deinem Hund und Artgenossen. 

Kann es sein, dass ein aggressiver Hund eingeschläfert werden muss?

Die Frage ob ein aggressiver Hund eingeschläfert werden muss, ist nur individuell beantwortbar und hängt von vielen Faktoren ab. Die Euthanasie sollte der letzte Ausweg sein. Dieser ist nötig, wenn ein aggressiver Hund eine ernsthafte Gefährdung der Allgemeinheit darstellt. Diese liegt vor, wenn der Hund, ohne vorherige Anzeichen, zu einem bösartigen Angriff übergeht oder bereits Menschen verletzt oder sogar getötet hat. Für einen solchen Hund wird ein Gutachten ausgestellt, in dem er als nicht mehr therapierbar gilt. An diesen Fällen ist allein der Mensch schuld, da Hunde nicht von sich aus einfach aggressiv werden, sondern nur durch ihre Erfahrungen. Es ist sehr schlimm, beispielsweise einen Hund ohne Wissen über seine Vergangenheit aus dem Tierschutz zu retten und ihn letztendlich doch einschläfern lassen zu müssen. Dennoch ist es in den schlimmsten Fällen die beste Lösung, da ein Leben in dauerhafter Anspannung und Abwehrhaltung für den Hund auch eine Qual ist.

In weniger aussichtslosen Fällen kann ein aggressiver Hund ein Leinen- oder Maulkorbzwang verordnet bekommen. Außerdem gibt es verschiedene Tierschutzeinrichtungen, die aggressive Hunde aufnehmen.

Welche Fehler gibt es im Umgang mit aggressiven Hunden?

Wenn sich dein Hund aggressiv verhält, solltest du ihn nicht streicheln oder gutmütig zu ihm sprechen. Damit bestätigst du sein unerwünschtes Verhalten. Ein situationsgerechtes Unterbinden seines aggressiven Auftretens und Lob, wenn er sich beruhigt hat, sind hier zielführender.

Bestrafe ihn aber auch nicht, wenn er sich aggressiv verhält. Wird dein Hund grob von dir gemaßregelt, wenn er beispielsweise auf einen Artgenossen losgehen möchte, kann es passieren, dass er die Strafe nicht mit seinem Verhalten, sondern mit dem anderen Hund verknüpft. Daraufhin könnte er in Zukunft noch stärker auf andere Hunde reagieren, da er sie für die Strafe verantwortlich macht. Gewalt und andere Formen der Bestrafung, die deinem Hund physisch oder psychisch schädigen, sollten niemals Teil der Hundeerziehung sein.

Finde stattdessen die Ursachen seiner Aggression, stärke eure Bindung und seinen Grundgehorsam und deeskaliere anschließend unter Anleitung einer qualifizierten Person die problematischen Situationen.

Bitte beachte, dass dieser Artikel keine professionelle Hilfe ersetzt. Bei schwerwiegenden Problemen mit deinem Vierbeiner, solltest du dich immer an einen qualifizierten Hundetrainer oder eine Hundeschule wenden. Wir wünschen dir viel Erfolg mit deinem Liebling!

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