Ein Hund schaut aus einem Fenster.

Hund allein lassen – Teil 2: Mit diesem Trainingsplan klappt es

Du hast dir schon einige Artikel zum Thema „Hund allein lassen“ durchgelesen, aber weißt nicht, wie du mit dem Training starten sollst? Du möchtest eine genaue Anleitung, um im Training einen Plan zu haben? Dann bist du hier genau richtig! In diesem Artikel findest du einen Schritt-für-Schritt-Trainingsplan, mit dem du das Allein bleiben erarbeiten kannst. Viel Spaß beim Lesen und Ausprobieren!

Inhalt

  1. Trainingsplan „Hund allein lassen“: Die Basis
  2. Trainingsplan „Hund allein lassen“: Gesteigerter Schwierigkeitsgrad

Trainingsplan „Hund allein lassen“: Die Basis

Im Folgenden findest du einen Trainingsplan für die ersten Schritte, um deinen Hund allein zu lassen. Wenn du deinen Vierbeiner noch nie wirklich allein gelassen hast, kannst du mit diesem Plan starten. Wenn du schon fortgeschrittener bist, findest du unten in diesem Artikel weiterführende Schritte. Der Trainingsplan ist darauf ausgelegt, deinen Hund im Haus oder der Wohnung allein zu lassen. Funktioniert das aber erstmal, fällt es deinem Hund auch viel leichter, in anderen Situationen ohne dich zu sein. 

Nimm dir im Training immer ausreichend Zeit und achte auf das Verhalten deines Hundes. Er soll irgendwann entspannt und ohne Stress allein bleiben können. Das erreichst du nur, wenn du nichts überstürzt. Denke also immer daran, dass du diesen Trainingsplan nicht an einem Tag durcharbeiten musst. Es kann, je nach Hund, Wochen oder sogar Monate dauern, bis dein Vierbeiner entspannt allein bleiben kann. Falls es gar nicht funktioniert, kannst du dir immer Hilfe von einem/einer Hundetrainer*in suchen. 

Wenn du mehr zum Thema Allein bleiben wissen willst, findest du hier den ersten Teil der Reihe.

1. Voraussetzungen für das Training

Vorteilhaft ist es, wenn dein Hund bereits zwei Dinge kennt: Er sollte einen Liegeplatz haben, auf den er von dir geschickt werden kann – das nennt sich Deckentraining. Außerdem sollte dein Hund es bereits kennen, irgendwo angeleint zu sein. Beides ist nicht zwingend notwendig, aber sehr hilfreich. 

Außerdem solltest du dir ausreichend Zeit für das Training nehmen und nicht unter Zeitdruck trainieren. Falls es nicht anders geht, kannst du dir einen/eine Hundesitter*in organisieren, der auf deinen Vierbeiner aufpasst, wenn du doch mal weg musst. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kannst du loslegen. 

Hund beschäftigen vor dem Alleinsein

2. Hund lösen lassen

Der zweite Schritt in diesem Trainingsplan ist ziemlich simpel. Bevor du deinen Hund allein lassen kannst, solltest du mit ihm eine Runde spazieren gehen oder draußen spielen. So kann er sein Geschäft machen und sich bewegen. Denn für das Training darf dein Vierbeiner ruhig müde sein, damit er schneller zur Ruhe kommt. 

Wenn du nicht weißt, wie du deinen Vierbeiner beschäftigen kannst, findest du hier Artikel zu den Themen Agility, Hundesport und Apportieren lernen

3. Beschäftigung vorbereiten

Lege dir zu Beginn eine Beschäftigung für deinen Hund bereit. Das kann ein unwiderstehlicher Kauknochen, ein Kauholz oder ein gefüllter Kong sein. Falls sich dein Hund durch die Kaubewegungen eher aufregt als beruhigt, kannst du auch eine Leckmatte verwenden und beispielsweise mit Leberwurst bestreichen. 

Wähle den Kauknochen oder andere Gegenstände so, dass sie eigentlich viel zu groß für deinen Hund sind. So vermeidest du, dass er etwas verschlucken kann. Wichtig ist ebenfalls, dass der gewählte Gegenstand nicht splittert und auch sonst keine Verletzungsgefahr birgt. Das ist sehr wichtig, da du ja deinen Hund mit dem Gegenstand allein lassen willst und nicht sofort zur Stelle bist, wenn etwas passieren würde. 

4. Hund auf seinen Platz legen und anleinen

Lege nun deinen Vierbeiner auf seinem gewohnten Platz ab. Idealerweise ist dieser Platz nicht mittig im Raum, sondern beispielsweise in einer Ecke, in der dein Hund sich wohl fühlt.

Anschließend leinst du ihn an. Dabei ist es wichtig, dass du die Leine an einem sehr schweren Gegenstand, beispielsweise einem Schrank, befestigst. Die Leine sollte so lang sein, dass dein Hund sich entspannt hinlegen und auch ein paar Schritte gehen kann, aber nicht mehr. Schließlich möchtest du durch das Anleinen verhindern, dass dir dein Hund sofort zur Tür nachläuft und dort auf dich wartet. 

Ob du dabei Halsband oder Geschirr verwendest, hängt davon ab, was dein Hund bereits gewöhnt ist. Wenn deine Wahl auf ein Halsband fällt, sollte es kein Zugstopphalsband sein. 

Versuche möglichst viel Ruhe hineinzubringen, damit dein Hund runterfahren kann. Die Leine ist kein Muss, aber hilft Hunden, die viel herumlaufen und dadurch hektisch werden. Die Leine bleibt auch nicht für immer Bestandteil des Trainings. Sie wird im Training nur so lange genutzt, wie du selbst noch im Haus bist. Wirklich wegfahren kannst du erst, wenn dein Vierbeiner ohne Leine gut und entspannt allein in einem Raum bleiben kann. 

Beschäftigung Hund

5. Das Leckerchen geben

Gib deinem angeleinten Hund nun den vorbereiteten Leckerbissen, zum Beispiel den Kauknochen, auf seiner Decke oder in seinem Körbchen. Diese Leckerei kannst du im Training auch immer mal austauschen. Dadurch vermeidest du eine Verknüpfung zwischen der speziellen Leckerei und dem Allein bleiben. 

Wenn dein Hund voll mit seinem Kau-Utensil beschäftigt ist, kannst du zum nächsten Schritt übergehen.

6. In Hör- und Sichtweite bleiben

Der nächste Schritt bei diesem Trainingsplan ist noch nicht das Verlassen des Raumes. Setze dich zunächst nur ein paar Meter von deinem Vierbeiner entfernt hin und beachte ihn nicht mehr. Du kannst beispielsweise ein Buch lesen, Fernsehen oder dich mit einer anderen Person unterhalten. Für manche Hunde ist dies bereits eine Herausforderung. Verhalte dich dabei ganz normal. So zeigst du deinem Hund, dass alles in Ordnung ist.

7. Training auflösen

Um das Training zu beenden, gehe ganz gelassen wieder zu deinem Vierbeiner. Signalisiere deinem Hund, dass er das gut gemacht hat, aber bleib dabei souverän und ruhig. Wenn du ihn nach dem Allein bleiben mit Leckerlis vollstopfst oder ihn sehr aufgeregt lobst, kommt dein Hund beim nächsten Mal vielleicht in eine Erwartungshaltung. Das heißt er wartet dann nur noch darauf, dass du zu ihm gehst und ihn lobst, und kann nicht nachhaltig entspannen. 

Nimm ihm anschließend den Kauknochen ab und lege ihn außer Sichtweite. Falls dein Hund den Knochen nicht hergeben will, kannst du ihm ein anderes tolles Leckerli als Tausch anbieten. Anschließend leinst du deinen Hund ab und beendest das Training.

8. Außer Sichtweite gehen

Wenn an diesem Punkt alles klappt und du die letzten Schritte gefestigt hast, kannst du nun die Schwierigkeit für deinen Hund steigern. Wiederhole Schritt 2 bis 5, aber gehe nun in einen anderen Raum und somit außer Sichtweite deines Hundes. Mit einer vorher aufgestellten Kamera kannst du deinen Vierbeiner trotzdem noch beobachten. Um deinem Hund zu zeigen, dass du noch da bist, kannst du im Nachbarraum alltägliche Geräusche machen, wie beispielsweise Abwaschen oder Telefonieren.

Ideal wäre es hier, wenn dein Vierbeiner weiterhin entspannt auf seiner Decke liegen bleibt und sich mit seinem Kauknochen beschäftigt. Es kann sein, dass er anfangs nach dir schaut und etwas nervös wird. Warte kurz ab, ob er sich von allein wieder beruhigt. 

Nur bei anhaltender Wut oder echter Panik solltest du eingreifen. Falls du eingreifst, musst du deinen Hund aber auch nicht übermäßig trösten. Sei präsent und strahle Ruhe und Souveränität aus. Versuche trotzdem, die Übung positiv zu beenden, indem du deinen Vierbeiner noch ruhig zwei Minuten auf seiner Decke liegen lässt, bevor du ihn ableinst. Gehe dann im Training wieder ein paar Schritte zurück, beziehungsweise suche die Ursachen für das Verhalten deines Hundes.

Hund allein in Körbchen

9. Außer Hör- und Sichtweite gehen

Eine weitere Steigerung des Schwierigkeitsgrades ist es, nun keine Geräusche mehr im Nebenraum zu machen. Beobachte durch die Kamera, wie dein Vierbeiner darauf reagiert. Du kannst auch das Schließgeräusch einer Tür, zum Beispiel der Haustür, hinzufügen.

10. Hund ableinen

Wenn du bisher ohne Probleme deinen Hund allein lassen kannst, kannst du das Training um die Leine reduzieren. Der Kauknochen sollte hierbei aber noch für deinen Hund als Kompensationsmöglichkeit verfügbar sein.

Es kann sein, dass dein Hund bei diesem Trainingsschritt viel durch den Raum läuft und unruhig wird. Beobachte deinen Vierbeiner durch die Kamera und warte ab, ob er sich von selbst wieder beruhigt. Ist dies der Fall, kannst du die Übung beenden, wenn dein Hund für seine Verhältnisse relativ entspannt ist. Wenn er sich nicht von selbst beruhigt, musst du eingreifen. 

11. Die Kompensationsmöglichkeit weglassen

Wenn dein Hund später mal mehrere Stunden allein sein muss, sollte er diese Zeitspanne durchgehend mit Kauen verbringen. Dazu nimmst du ihm im nächsten Schritt nun seinen Kauknochen ab. Wichtig ist, dass du alle vorherigen Schritte ausführlich geübt und wiederholt hast. Tausche nun den Knochen gegen eine Hand voll Futter, die du zum Beispiel etwas im Raum verteilst. Verlasse anschließend wieder den Raum und beobachte deinen Hund durch die Kamera.

Dieser Schritt ist für viele Hunde schwierig und führt dazu, dass sie nervös werden. Warte ein paar Minuten ab, ob sich dein Vierbeiner wieder beruhigt und auf seinen Platz legt. Wenn er sich zu sehr aufregt, musst du eingreifen und im Training wieder ein paar Schritte zurückgehen.

12. Training auflösen

Lasse deinen Hund auch an diesem Punkt im Trainingsplan anfangs nur sehr kurz allein. Dein Vierbeiner ist nun also abgeleint und hat keinen Kauknochen mehr, um damit eventuell seine Nervosität zu kompensieren. Wenn du hier angekommen bist, hast du bereits einiges geschafft. Betritt nun den Raum wieder, begrüße deinen Vierbeiner kurz, bleibe dabei aber ruhig.

Tipp: Auf wedog.com gibt es einen ausführlichen Kurs zum Thema Den Hund allein lassen: Das Grundlagentraining von Trainerin Charly Arzberger! Dort werden auch die häufigsten Probleme im Training thematisiert und Lösungen aufgezeigt. Hier geht es direkt zum Kurs.

Hund begrüßen

Trainingsplan „Hund allein lassen“: Gesteigerter Schwierigkeitsgrad

Wenn alle bisherigen Trainingsschritte gut funktionieren und dein Vierbeiner mit dir im Nebenraum außer Hör- und Sichtweite entspannt allein bleiben kann, ist es an der Zeit, das Haus zu verlassen. 

Verabschieden

Wichtig ist es, wie auch in den vorherigen Schritten, dass du dich nicht übermäßig von deinem Hund verabschiedest. Bleib ruhig und gelassen, damit die Zeit allein für deinen Hund selbstverständlich und absolut unspektakulär wird. 

Wenn du weißt, dass deinem Hund feste Routinen helfen, damit er sich sicher fühlt, kannst du aus der Verabschiedung eine machen. Du kannst dich beispielsweise immer mit demselben Satz verabschieden. Bei anderen Hunden wiederum kann eine solche ritualisierte Verabschiedung zu Stress führen. Achte also ganz individuell auf die Bedürfnisse deines Vierbeiners. 

Wenn du weißt, dass Kauen deinem Vierbeiner sehr hilft, um sich zu beruhigen, kannst du ihm auch weiterhin einen Kauknochen oder ein nicht splitterndes Kauholz geben, wenn du ihn allein lässt.

Verlasse nun für ein paar Minuten das Haus und beobachte deinen Hund durch die Kamera, falls du eine hast.

Begrüßen

Wenn dein Hund ein paar Minuten ohne dich ruhig im Haus war, gehst du wieder zu ihm. Wichtig ist, dass du deinen Hund begrüßt. Wenn du dies nicht tust, kann es deinen Vierbeiner enorm stressen und verwirren. Du solltest ihn also nicht komplett ignorieren. 

Die Begrüßung sollte, ebenso wie die Verabschiedung, nicht hektisch oder emotional stattfinden. Betritt stattdessen ganz gelassen das Haus, achte darauf, dass auch deine Stimme ruhig bleibt und streichle deinen Hund kurz. Ziehe dir dann ganz entspannt die Schuhe aus und achte darauf, dass dich dein Vierbeiner nicht anspringt oder zu sehr bedrängt. 

Wichtig ist auch, dass du Freunde oder Bekannte darüber aufklärst, wie sie deinen Hund am besten begrüßen. Auch sie sollten auf eine ruhige Stimme und souveränes Verhalten achten, um den Hund nicht hochzufahren. 

Wir wünschen dir viel Erfolg beim Training mit deinem Hund!

Wenn du dich für Hundetraining interessierst, dich weiterbilden möchtest und eine starke Partnerschaft zwischen dir und deinem Hund aufbauen willst, dann schau unbedingt mal bei wedog.com vorbei! In lehrreichen Online Kursen zeigen dir unsere Trainer*innen zu verschiedenen Themen, wie z.B. ErziehungBeschäftigung und Hundekauf Übungen, Tipps und Tricks.

Share this post

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on email

Das könnte dich auch interessieren

100% Hundeliebe

Melde dich jetzt für unseren kostenlosen Newsletter an.