Ein Hund liegt auf einem Kissen auf der Fensterbank und schläft.

Hund allein lassen – Teil 1: Infos und Wissenswertes

Der Hund jault, zerstört Kissen oder Teppiche, Frauchen oder Herrchen versuchen ihren Hund über den Leckerlispender mit integrierter Sprechanlage davon abzuhalten und so schnell wie möglich wieder nach Hause zu kommen. So kann das Alleinlassen deines Vierbeiners aussehen – muss es aber nicht! In der zweiteiligen Reihe lernst du, wie du das Training angehen kannst. Außerdem erfährst du, ob man jeden Hund allein lassen kann, ab welchem Alter das möglich ist und wann man mit dem Training beginnen kann.

Inhalt

  1. Kann ich meinen Hund überhaupt allein lassen?
  2. Hat mein Hund Angst allein zu sein?
  3. Wie erkenne ich, ob mein Hund ein Problem mit dem Alleinsein hat?
  4. Wie lange kann ich meinen Hund allein lassen?
  5. Kann ich meinen Welpen allein lassen?
  6. Kann auch ein erwachsener Hund das Alleinsein lernen?
  7. Wie kann ich meinen Hund beschäftigen, wenn er allein ist?
  8. Hund allein lassen: Tipps & Tricks
  9. Die häufigsten Fehler im Training

Kann ich meinen Hund überhaupt allein lassen?

Nicht jeder Hund wird gerne allein gelassen – mit dem richtigen Training kann dein Hund entspanntes Allein bleiben aber erlernen. Für die meisten Hundebesitzer*innen ist das Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Alltag mit Hund: Sei es, weil man einkaufen gehen muss, der Hund nicht mit zur Arbeit kann oder man auch mal ohne vierbeinige Begleitung ins Restaurant möchte. Allein bleiben fängt auch nicht erst damit an, dass der Mensch das Haus verlässt – schon beim Gang zum Briefkasten muss der Hund kurzzeitig allein sein. 

Vielen Hunden fällt das Allein bleiben allerdings schwer, manche versetzt es sogar in Angst oder gar Panik. Ist dies der Fall, solltest du auf jeden Fall professionelle Hilfe hinzuziehen, bevor du mit dem Training startest. 

Tipp: Auf wedog.com gibt es einen ausführlichen Kurs zum Thema Den Hund allein lassen: Das Grundlagentraining von Trainerin Charly Arzberger! Erfahre, wie dein Vierbeiner Schritt für Schritt lernt, entspannt allein Zuhause zu bleiben und es zu genießen. So hat Trennungsangst, sowohl beim Hund als auch beim Menschen, keine Chance. Hier geht es direkt zum Kurs.

Hat mein Hund Angst allein zu sein?

Es gibt zwei Arten von Angst, die bei Hunden in Zusammenhang mit dem Allein bleiben auftreten können:

Zum einen ist dies die Trennungs- beziehungsweise Verlustangst. Der Hund hat um sich selbst Angst und fühlt sich dem „zurückgelassen werden“ hilflos ausgeliefert. Verlustangst kann sich auf unterschiedliche Art äußern: Jaulen, Heulen, Zerstörungen insbesondere im Tür- und Fensterbereich oder eine eher unterwürfige Begrüßung des Menschen, wenn er wieder da ist.

Die zweite Angst ist die vor dem Kontrollverlust. Hunde mit starkem Kontrollbedürfnis sind der Meinung, dass ihr Mensch nicht ohne sie zurecht kommt. Frustbellen, zerstörte Gegenstände oder eine Begrüßung, bei der Imponierverhalten gezeigt wird, können auf Kontrollverlust als Ursache hinweisen.

Bei manchen Hunden ist aber auch Langeweile oder mangelnde Auslastung der Grund, warum sie nicht entspannt allein bleiben können. Oft wird gerade Langeweile mit Kontrollverlust verwechselt, da sich die Anzeichen ähneln können.

Bei vielen Hunden ist allerdings nicht Angst das Problem, sondern vor allem das fehlende Training. Das kannst du einfach Zuhause beheben. Wie du das machst, erfährst du im zweiten Teil der Reihe.

Hund schaut allein aus dem Fenster

Wie erkenne ich, ob mein Hund ein Problem mit dem Alleinsein hat? 

Dies äußert sich bei jedem Hund anders. Manche Vierbeiner sind laut, andere hingegen leiden im Stillen. Die folgenden Punkte zeigen einige Verhaltensweisen, die Hunde zeigen können, wenn ihnen das Alleinsein schwer fällt. Trifft etwas davon auf deinen Hund zu, solltest du der Ursache auf den Grund gehen.

  • Stundenlanges Winseln oder Jaulen
  • Zerkratzen von Wänden, Türen oder Möbeln
  • Absetzen von Kot und Urin, obwohl der Hund schon stubenrein ist 
  • Zerstörung von Gegenständen
  • Dauerhaftes Bellen
  • Dein Hund folgt dir durchgehend, wenn du wieder da bist, und schläft schließlich erschöpft ein

Um deinen Vierbeiner auch beobachten zu können, wenn du nicht Zuhause bist oder auch wenn ihr mit dem Alleinsein-Training startet, ist eine Haustierkamera empfehlenswert. So kannst du deinen Hund allein lassen, aber trotzdem ein Auge auf ihn haben. Die Aufnahmen der Kamera kannst du auch dem/der Hundetrainer*in deines Vertrauens zeigen, wenn du Hilfe benötigst.

Wie lange kann ich meinen Hund allein lassen?

Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten. Dennoch gilt die Faustregel, dass du einen Welpen oder jungen Hund nicht länger als zwei Stunden allein lassen solltest. Schließlich hat er noch keine Kontrolle über Blase und Verdauungstrakt. 

Bei ausgewachsenen und trainierten Hunden sieht es etwas anders aus: Bis zu acht Stunden können viele Hunde problemlos allein bleiben. Dabei solltest du auf deinen Hund achten und einschätzen können, ob er das in seinem aktuellen Trainingszustand leisten kann. Falls dies der Fall ist, solltest du unbedingt darauf achten, dass du dich ausgiebig mit deinem Vierbeiner beschäftigst, sobald du wieder Zuhause bist. Körperliche und geistige Auslastung sind sehr wichtig für die Gesundheit deines Hundes und tragen dazu bei, dass er entspannter allein bleiben kann.

Sei dir bewusst, dass auch ein erwachsener Hund regelmäßig die Möglichkeit haben sollte, sich zu erleichtern. Wenn du sehr lange außer Haus sein wirst, solltest du beispielsweise einen/eine Hundesitter*in in Betracht ziehen.  

Falls du schon einen Senioren-Hund hast, musst du die Frage des Alleinlassens gegebenfalls neu beantworten. Bei Demenz oder anderen medizinischen Problemen wie Inkontinenz kann dein Vierbeiner vielleicht nicht mehr so lange allein sein, wie es früher der Fall war. 

Welpen allein lassen

Kann ich meinen Welpen allein lassen?

Du kannst bereits mit einem Welpen das Alleinsein trainieren. Wenn dein junger Vierbeiner neu zu dir kommt, solltest du ihm vor dem Trainingsstart allerdings zwei bis drei Wochen Eingewöhnungszeit geben. 

Erwarte nicht zu viel von deinem Welpen: Allein bleiben lernen braucht Zeit und ist auch nicht die einzige Sache, die dein neuer Begleiter anfangs lernen muss. Stubenreinheit, die ersten Kommandos und das Zusammenleben mit seiner neuen Familie sind nur ein paar der Dinge, die deinen Welpen beschäftigen werden. Umso wichtiger ist es, dir wirklich Zeit zu lassen und nichts zu überstürzen. Dein Welpe wird nicht nach drei Wochen direkt mehrere Stunden allein bleiben können. 

Zum Thema Welpentraining können wir dir unsere Profis Mica Köppel-Haug und Holger Schüler ans Herz legen. In ihren Online Kursen auf wedog.com behandeln sie alle Themen von Vorbereitung, Eingewöhnung, Erziehung und Bindungsaufbau zu deinem jungen Hund.

Kann auch ein erwachsener Hund das Alleinsein lernen?

Wenn du einen erwachsenen Hund allein lassen möchtest, dauert das Training oft noch länger als bei einem Welpen. Wenn du deinen Vierbeiner also bereits als Welpe bekommst, lohnt es sich früh mit dem Training zu beginnen. Aber auch ältere Hunde können das Alleinsein lernen. 

Wichtig ist es zu beachten, dass du deinen Vierbeiner anfangs tatsächlich nicht lange allein lässt. Das sollte kleinschrittig aufgebaut werden und ohne Druck passieren. Dein Hund muss sich zunächst an sein neues Leben und seine neue Familie gewöhnen. Lasse ihn, wie auch einen Welpen, in der anfänglichen Eingewöhnungsphase nicht allein, sondern gib ihm Zeit. Anschließend kannst du in kleinen Schritten mit dem Training beginnen. 

Wenn du einen detaillierten Trainingsplan zum Thema „Hund allein lassen“ möchtest, findest du hier einen.

Hund entspannt

Wie kann ich meinen Hund beschäftigen, wenn er allein ist?

Um die Zeit allein für deinen Vierbeiner etwas spannender zu gestalten, kannst du ihm verschiedene Beschäftigungen während deiner Abwesenheit anbieten. Du kannst deinem Hund beispielsweise einen Kong mit Leberwurst befüllen. Diese Leckerei sollte dein Hund aber nur dann bekommen, wenn er allein bleiben muss. Im besten Fall freut er sich irgendwann vielleicht sogar wenn du das Haus verlässt, weil er dann etwas Tolles bekommt.

Wichtig ist, dass du ihm kein Spielzeug gibst, das er kaputt machen und womöglich Einzelteile verschlucken könnte. Auch bei Kauartikeln ist Vorsicht geboten: Knochen sollten nicht zu klein sein. Wenn dein Hund sehr zum Schlingen neigt, solltest du auf Kauknochen verzichten. Alternativ zum Kauknochen können spezielle Kauhölzer (z.B. aus Kaffeeholz) zum Einsatz kommen, die im Gegensatz zu Stöcken von draußen nicht splittern. 

Hund allein lassen: Tipps & Tricks

Nachfolgend findest du noch ein paar Tipps, wie das Hund allein lassen gut funktionieren kann. Bei Problemen kannst du dich immer an eine Hundeschule wenden.

Im Training Zeit lassen

Hektik bringt im Umgang mit Tieren nie etwas. Vor allem nicht, wenn es darum geht, deinen Hund allein lassen zu wollen. Starte mit deinem Vierbeiner so früh wie möglich und in ganz kleinen Schritten. Am besten nimmst du dir dafür Urlaub oder organisierst einen/eine Hundesitter*in, wenn du deinen Hund allein lassen musst, er aber noch nicht so weit ist. 

Bellen nicht beachten

Wenn du deinen Hund allein lassen musst, kann es passieren, dass er sofort zu bellen beginnt. Wichtig ist dann, dass du nicht sofort wieder zu ihm gehst. Warte bis er mit dem Bellen aufgehört hat und betritt dann ruhig und gelassen den Raum, ohne ihn zu belohnen. So signalisierst du deinem Vierbeiner, dass du immer wieder kommst, aber verknüpfst dies nicht mit seinem Bellen. Parallel dazu kannst du auch an der generellen Frustrationstoleranz deines Hundes arbeiten. Wenn dein Hund Frust gut aushalten kann, hilft euch das unter Umständen auch beim Allein bleiben. 

Spaziergänge sinnvoll planen

Wenn du weißt, dass du deinen Hund allein lassen musst, kann es sinnvoll sein, vorher mit ihm spazieren zu gehen. Nicht nur, weil dein Hund sich ausgiebig erleichtern kann, sondern weil artgerechte Auslastung für Ruhe und Entspannung enorm wichtig ist. Aber Achtung: Überfordere deinen Hund auch nicht. Ein überlasteter Hund kommt oftmals ebenso schlecht zur Ruhe wie ein unterforderter Hund. 

Hund im Körbchen

Räumliche Begrenzung schaffen

Manchen Hunden hilft es, wenn sie nicht die ganze Wohnung zur Verfügung haben. Sie fühlen sich in einem einzelnen Raum weniger verloren und sicherer. Wichtig ist auch, dass dein Hund in dem Raum seinen festen Liegeplatz hat. Wenn dein Vierbeiner dazu neigt, vor Stress die ganze Zeit durch den Raum zu laufen, kannst du eine Leine zu Hilfe nehmen. Diese befestigst du neben dem Hundebett an einem schweren Objekt, beispielsweise einem Schrank. Wichtig ist, dass die Leine nicht zu kurz ist, aber auch nicht zu lang. Dein Hund sollte sich damit ein paar Schritte bewegen und sich auch hinlegen können, aber am „Stresslaufen“ gehindert werden.

Hundekamera

Um dir und deinem Hund noch mehr Sicherheit zu geben, ist eine Hundekamera hilfreich. Diese kannst du mit deinem Smartphone verbinden und deinen Vierbeiner beobachten, wenn du nicht bei ihm bist.

Deinem Hund vertrauen und geduldig sein

Hunde merken es, wenn ihr Mensch nervös ist oder ihnen nicht vertraut. Darum ist es essentiell, dass du selbst entspannt, geduldig und ruhig bleibst. Nach und nach wirst du deinem Hund voll vertrauen und er dir auch. Wenn du dir im Training Zeit lässt und dich ausgiebig mit deinem Vierbeiner beschäftigst, wird er das Allein sein bald gelassen nehmen. 

Warten am Fenster

Die häufigsten Fehler im Training

Nachfolgend findest du ein paar Dinge, die du vermeiden solltest, wenn du deinen Hund allein lassen möchtest. Wenn du noch einmal überprüfen möchtest, ob du das Training richtig gestaltet hast, schau am Besten hier in dem zugehörigen Kurs von Charly Arzberger vorbei.

Zu schnell zu viel wollen

Wenn du deinen Hund gleich bei der ersten Trainingseinheit zwei Stunden allein lässt, ist das viel zu lange und geht vermutlich nach hinten los. Beginne stattdessen mit sehr kurzen Einheiten von wenigen Minuten.

Allein lassen als Bestrafung

Den Hund allein lassen und einsperren, wenn er in deinen Augen etwas falsch gemacht hat? Das kann nicht nur zu einem Vertrauensverlust führen, sondern verfehlt auch den Effekt: Der Hund kann keinen Zusammenhang zwischen seinem vermeintlichen Fehlverhalten und dem Allein lassen erkennen. Gestalte das Training möglichst positiv und stressfrei. 

Den Raum nicht sichern

Wenn du deinen Hund allein lassen musst, sollte der Raum dafür sicher sein. Gefährlich sind Stromkabel, Kleinteile die dein Vierbeiner verschlucken kann, Glasflaschen oder herumstehende Lebensmittel. Falls du deinen Hund im Garten allein lassen willst, sollte der Zaun hoch genug und ausbruchsicher sein. Leider könnten im Garten aber auch fremde Leute Dinge über den Zaun werfen, die für deinen Hund potentiell gefährlich sind. 

Zu viel Alleinsein

Auch wenn es bei den meisten Hund klappt, gibt es auch Hunde, die ihr Leben lang Schwierigkeiten mit dem Allein bleiben haben. Beobachte die Reaktion deines Hundes genau. Ziehe Fachpersonal wie Tierärzt*innen und Hundetrainer*innen hinzu, wenn du denkst, dass sich dein Vierbeiner komisch verhält oder du mit dem Training nicht weiterkommst. Falls es deinem Hund mit dem Alleinbleiben dauerhaft schlecht geht, kannst du Wege suchen, dies zu vermeiden. Beispielsweise mit einem/einer Hundesitter*in oder einer Hundetagesbetreuung. 

Wir wünschen dir viel Erfolg beim Training mit deinem Hund!

Wenn du dich für Hundetraining interessierst, dich weiterbilden möchtest und eine starke Partnerschaft zwischen dir und deinem Hund aufbauen willst, dann schau unbedingt mal bei wedog.com vorbei! In lehrreichen Online Kursen zeigen dir unsere Trainer*innen zu verschiedenen Themen, wie z.B. ErziehungBeschäftigung und Hundekauf Übungen, Tipps und Tricks.

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