Zecken beim Hund: Was hilft wirklich dagegen?

Eine Zecke auf einem Finger, im Hintergrund ist ein Hund zu sehen.
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Zecken beim Hund sind nicht nur nervig, sondern können auch gefährlich werden. Daher fragen sich Hundebesitzer alle Jahre wieder: Was kann ich gegen Zecken beim Hund tun? Kann man bereits präventiv gegen die lästigen Blutsauger vorgehen und welche Krankheiten können eigentlich beim Zeckenbiss übertragen werden? Wir nehmen verschiedene Zeckenmittel unter die Lupe und verraten dir, was wirklich hilft und was der richtige Schutz für deinen Vierbeiner ist!

Was sind eigentlich Zecken?

Zecken gehören zur Familie der Milben und sind allesamt blutsaugende Ektoparasiten, die sich auf Wirbeltieren wie Mensch und Hund festsetzen. Weltweit gibt es über 900 verschiedene Zeckenarten, von denen fast alle Überträger für diverse Krankheiten sind. Um auf ihren Wirt zu gelangen, haben Zecken zwei Strategien entwickelt: Entweder sie lauern auf hohen Grashalmen, Büschen und niedrigen Zweigen oder sie gehen aktiv auf die Jagd. 

Sind sie anfangs nur kleine schwarze Punkte, können sie auf eine Größe von bis zu drei Zentimetern wachsen, sobald sie angebissen haben. Erkennen kannst du Zecken an ihren acht Beinen und dem leicht dreieckig geformten Körper, der zumeist rotbraun bis dunkelbraun ist. Die Farbe variiert je nach Zeckenform. 

Wann die Zeckenzeit beginnt, lässt sich nicht an einem Monat festmachen: Immer dann, wenn die Temperaturen über sieben Grad steigen, beginnen die Parasiten aktiv zu werden. Ist es kälter, fallen sie in eine Art Winterstarre. In warmen Region kann man folglich das ganze Jahr über mit ihnen rechnen, in Deutschland geht die Zeckensaison grob von Februar bis Oktober – aber in besonders milden Wintern hat man auch schon früher oder noch später im Jahr das zweifelhafte Vergnügen. 

Eine Zecke hat sich unbemerkt festgebissen.
Zecken können Krankheiten übertragen, daher sollten sie immer zügig und im Ganzen entfernt werden.

Wie gefährlich ist ein Zeckenbiss für meinen Hund?

Das gefährliche an Zecken ist nicht das Blutsaugen an sich, sondern der Mageninhalt und der Speichel der Zecken. In diesen Substanzen befinden sich verschiedene Krankheitserreger, die Krankheiten auslösen können – darunter auch schwere Krankheiten, wie Borreliose. Daher können Zecken in der Tat auch gefährlich für deinen Hund werden.

Einige Infektionen werden direkt beim Blutsaugen auf den Hund übertragen, diese befinden sich im Speichel: Die Zecke sondert ihren Speichel ab, um die Einstichstelle zu betäuben, sodass der Hund arglos bleibt und die Zecke in Ruhe saugen kann. Eine andere Möglichkeit ist, dass die Erreger über den Mageninhalt der Zecke abgegeben werden: Dies geschieht, wenn die Zecke vollgesogen ist und ein Austausch über ihren Mageninhalt stattfindet oder aber sie sich vor Stress erbricht, wenn sie entfernt wird.

Welche Krankheiten können Zecken beim Hund übertragen? 

Auf unseren Hunden in Deutschland fühlen sich vor allem der Gemeine Holzbock, die Braune Hundezecke und die Auwaldzecke wohl. Die drei Zeckenarten übertragen können verschiedene Krankheiten übertragen:

Der Gemeine Holzbock

  • Lyme-Borreliose: Die Lyme-Borreliose ist den meisten Menschen bereits ein Begriff, denn auch wir können daran erkranken. Sie kann neben neurologischen Schäden auch zu einem chronischen Verlauf oder gar dem Tod des Hundes führen. Eine entsprechende Schutzimpfung gibt es mittlerweile auch für Hunde, allerdings deckt diese nicht alle Stämme der Borrelien-Bakterien ab. Mit dem frühzeitigen Entfernen der Zecke kann man eine Übertragung in der Regel erfolgreich verhindern, denn es braucht 16 bis 24 Stunden des Blutsaugens, ehe die Bakterien von der Zecke in den Hund wandern.
    Die Anzeichen für Lyme-Borreliose sind anfangs unspezifisch, in der Regel verschlechtern sich die Symptome schleichend: Fieber, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Schmerzen in Muskeln und Gelenken, ggf. auch Gelenkentzündungen, Herzprobleme und Lahmheiten in den Gliedmaßen. Nicht selten wird die Borreliose im Anfangsstadium von der sogenannten Wanderröte begleitet, einem kreisförmigen roten Fleck rund um den Zeckenbiss. 
  • Canine Anaplasmose: Hinter der Infektionskrankheit Anaplasmose stecken ebenfalls Bakterien, die es auf die weißen Blutkörperchen abgesehen haben. In der Regel verläuft Anaplasmose beim Hund allerdings mild oder sogar stumm, oftmals zeigen betroffene Vierbeiner keine der typischen Symptome: Fieber, Unwohlsein, Appetitlosigkeit, blasse Schleimhäute, Erbrechen und Durchfall, Blutungen (z.B. Nasen- oder Zahnfleischbluten) sowie Lahmheiten. 
  • Frühsommer-Meningoenzephalitis (FMSE): Anders als beim Menschen ist die Viruskrankheit FMSE bei Hunden eher ungewöhnlich. Da die FMSE-Übertragung durch den Speichel der Zecke stattfindet, reicht der bloße Biss für eine Infektion aus – anders als bei Borreliose. FMSE greift das zentrale Nervensystem des Hundes an, weswegen die Krankheit sich sehr unterschiedlich zeigen kann: Schwindel, Lahmheiten oder Krämpfe sind möglich, aber auch Wesensveränderungen wie plötzliche Schreckhaftigkeit oder Aggression können Anzeichen für FMSE sein. Im Extremfall kann FMSE einen tödlichen Verlauf nehmen. 

Die Braune Hundezecke 

  • Canine Ehrlichiose: Die Ehrlichiose ist auch besser bekannt als Zeckenfieber – sie befällt die weißen Blutkörperchen und blockiert jegliche Reaktionen des Immunsystems auf den Befall. Eine Erkrankung wird oft zu spät erkannt, da Ehrlichiose nach einem ersten, akuten Stadium in ein so genanntes stummes Krankheitsstadium übergeht, bei dem sich keinerlei Symptome zeigen. Danach kann die Krankheit chronisch werden. Erste Anzeichen für Ehrlichiose sind Fieber, Erbrechen, Mattigkeit, Atemnot und geschwollene Lymphknoten. 
  • Babesiose: Die Braune Hundezecke überträgt eine Babesiosenart, die zum einen recht selten vorkommt und zum anderen von einem milden Verlauf gekennzeichnet ist. Eine weitaus gefährlichere Variante der Babesiose kann von der Auwaldzecke aus in den Hund gelangen (siehe unten). 
  • Anaplasmose: Die Symptome der Anaplasmose sind den Anzeichen der Ehrlichiose sehr ähnlich, weswegen die Krankheit lange zur Ehrlichiose gezählt wurde. Tatsächlich handelt es sich aber um bakterielle Erreger. 

Die Auwaldzecke 

  • Hundemalaria: Beim umgangssprachlichen Hundemalaria handelt es sich um eine Art der Babesiose. Der Erreger lebt in roten Blutkörperchen und zerstört diese. Die Folgen sind weitreichend: Hundemalaria kann tödlich enden, wenn die Krankheit unbehandelt bleibt. Die ersten Symptome sind vielfältig und reichen von Fieber, Schlappheit und rot- bis grünbraun gefärbtem Urin über Nierenversagen, Blutarmut und Ödemen bis hin zu Verdauungsproblemen oder Störungen des zentralen Nervensystems. 
Eine Zeckenzange kommt hier zum Einsatz.
Zecken beim Hund kommen vor allem im Frühjahr oft vor. Regelmäßiges Kontrollieren sollte nach dem Spazierengehen an der Tagesordnung stehen.

Was tun gegen Zecken beim Hund? 

Die wohl effektivste Maßnahme, den Hund vor Zecken und den damit verbundenen Krankheiten zu schützen, ist das Absuchen nach dem Spaziergang. Wann immer ihr von draußen kommt, solltest du Haut sowie Fell deines Hundes gründlich kontrollieren und alle Zecken entfernen, die du finden kannst. Bei kurzhaarigen Hunden gestaltet sich das in der Regel einfacher als bei Hunden mit langem Fell – aber mit etwas Übung klappt es auch beim dichten Langhaar.

Gerade gut durchblutete Stellen sind bei Zecken beliebt: Auf Kopf, Ohren, Leistengegend und Bauch solltest du ein besonderes Augenmerk legen. Die Pfoten des Hundes werden bei der Kontrolle oft vergessen, aber auch zwischen den Zehen können sich Zecken einnisten. 

Was du zum Entfernen der Zecke verwendest, kommt auf die Größe der Zecke, die Körperstelle und deine eigenen Vorlieben an: Neben einer handelsüblichen Pinzette kannst du auch eine spezielle Zeckenzange, einen Zeckenhaken oder deine Finger nutzen. 

Tipp: Indem du deinem Hund beibringst, sich auf die Seite zu legen und in dieser Position zu verharren, kannst du dir das Absuchen nach dem Spaziergang erleichtern. Auch in anderen Situationen kann dir das helfen: Zum Beispiel, wenn dein Hund tierärztlich untersucht werden muss. Mehr zum Tierarzt-Training kannst du im gleichnamigen Kurs von Tierärztin Dr. Daniela Zurr und den Hundetrainerinnen Michaela Hares und Viviane Theby lernen. 

Wie entferne ich eine Zecke beim Hund richtig?

Beim Entfernen einer Zecke solltest du darauf achten, diese nicht zu quetschen. Andernfalls besteht die Möglichkeit, dass sie ihren infektiösen Speichel in den Hund abgibt. Auch von einem ruckartigen Rausziehen oder einer Drehbewegung beim Entfernen sollte man absehen: Denn dadurch bleiben unter Umständen der Kopf bzw. der Stechrüssel im Hund zurück. Stattdessen muss der Parasit mit einem gleichmäßigen Druck fixiert werden. Danach sollte die Zecke mit einer langsamen und gleichmäßigen Bewegung nach oben hin herausgezogen werden.

Solltest du dich fragen: Wie schnell muss eine Zecke beim Hund entfernt werden? Dann ist die Antwort: Sobald du eine Zecke auf deinem Hund entdeckst, sollte sie umgehend entfernt werden. Denn je länger eine Zecke sich an deinem Hund festsaugt, desto höher ist das Infektionsrisiko.

Wichtig: Danach nicht vergessen zu überprüfen, ob die Zecke vollständig entfernt wurde. Sollte dies nicht der Fall sein, sollte der Tierarzt so schnell wie möglich den Rest der Zecke herausnehmen.

Behandle die Bissstelle nach dem Entfernen der Zecke außerdem mit einem geeigneten Desinfektionsmittel. Sollte sich die Stelle entzünden und/oder das Tier Symptome wie Fieber und Mattigkeit entwickeln, ist der Besuch beim Tierarzt notwendig.

Ein Hund bekommt eine Tablette verabreicht.
Gegen Zecken gibt eine ganze Reihe von Mitteln, wie zum Beispiel die Kautablette.

Chemische Mittel gegen Zecken beim Hund

Besonders effektiv gegen Zecken sind chemische Mittel, die man zumeist in der Tierarztpraxis des Vertrauens kaufen kann. Welche Art des Zeckenschutzes für deinen Hund besonders gut geeignet ist, kannst du zusammen mit deinem/deiner Tierärzt*in herausfinden. 

Spot-On 

Eine Option sind sogenannte Spot-On-Präparate, die direkt auf die Haut des Hundes aufgetragen werden. Damit dein Vierbeiner die Flüssigkeit nicht abschlecken kann, ist die beste Stelle dafür der Nacken. Ein Vorteil von Spot-Ons ist, dass sie nicht nur gegen Zecken, sondern je nach Hersteller auch eine abstoßende Wirkung auf andere Parasiten wie Haarlinge oder Flöhe haben. Außerdem ist die Anwendung unkompliziert und du hast Wochen bis Monate Ruhe vor lästigen Zecken. Allerdings darf dein Hund nach dem Auftragen ein paar Tage nicht ins Wasser. 

Zeckenhalsband

Das Zeckenhalsband funktioniert ähnlich wie ein Spot-On. Es wird getragen wie ein normales Halsband und kann deinen Hund zwischen sechs und acht Monate lang vor Zecken und anderen Parasiten schützen. Schwimmen ist damit aber verboten: Die Inhaltsstoffe können im Wasser lebenden Tieren und Organismen schaden. 

Kautabletten gegen Zecken beim Hund

Eine weitere, noch recht neue Möglichkeit sind Kautabletten. Nach der Einnahme überträgt sich der Wirkstoff der Tablette auf die Zecke, sobald diese anbeißt, und tötet den Parasit. Je nach Präparat hält der Schutz zwischen vier Wochen und drei Monaten an. Die Anwendung ist ein großer Pluspunkt bei dieser Art von Zeckenprävention: In einem Stück Käse getarnt lässt die Tablette sich einfach verabreichen. Wasserbegeisterte Hunde können weiterhin baden gehen.

Ein Hund bekommt flüssige Medizin verabreicht.
Kokosöl, Bernsteinhalsband und Co. gegen Zecken? Bringt das wirklich was ?

Natürliche Mittel gegen Zecken beim Hund

Neben der chemischen Zeckenbekämpfung gibt es auch die Möglichkeit, auf rein natürliche Mittel zurück zu greifen. Dabei kannst du auch mehrere Methoden kombinieren, um eine höhere Wirksamkeit zu erzielen. 

Futterzusätze und Snacks gegen Zecken

Spezielle Zeckensnacks oder -pulver sind besonders einfach in der Anwendung: Entweder kannst du sie unter seine tägliche Futterration mischen oder direkt verabreichen – in der Regel sind die Leckerchen extra schmackhaft für Hunde. Die Mengen richten sich dabei immer nach den Angaben des Herstellers, in der Regel müssen die Futterzusätze aber täglich gefüttert werden. Wie wirksam sie sind, ist sehr individuell. 

Bernsteinhalsband  

Wenn dein Hund ein Bernsteinhalsband trägt, wird sein Fell leicht elektrisch aufgeladen – so wenig, dass dein Hund es nicht bemerkt, aber genug, um Zeckenbesuch zu verhindern. Bernstein enthält zudem ein ätherisches Öl, dessen Geruch den kleinen Beißern ebenfalls nicht gefällt. So lautet zumindest die Theorie, denn nachgewiesen ist der Effekt von Bernsteinhalsbändern bislang nicht. 

Kokosöl 

In den letzten Jahren ging der Trend beim Thema Zecken immer mehr zum Kokosöl. Zecken mögen kein natürliches Fett, weswegen Kokosöl abschreckend auf die Parasiten wirken kann. Kokosöl kann als Futterzusatz genutzt werden, du kannst deinen Hund aber auch damit einschmieren. Das solltest du dann allerdings täglich wiederholen – was das Fell deines Hundes sehr fettig machen kann und einen Nachteil von Kokosöl darstellt. 

Körperspray gegen Zecken beim Hund

Mittlerweile bieten auch einige Hersteller Sprays mit pflanzlichen Inhaltsstoffen an, zum Beispiel Schwarzkümmel- oder Teebaumöl. Die Sprays kommen vor jedem Spaziergang zum Einsatz. Wenn du dich für diese Form des Zeckenschutzes entscheidest, solltest du deinen Hund langsam an das Einsprühen heranführen und den Prozess möglichst positiv aufbauen. Bedenke auch, dass Hunde auf ätherische Öle allergisch reagieren können. Teste das Produkt am Besten erst an einer kleinen Stelle, bevor du den gesamten Hund damit einsprühst. 

Wir wünschen dir und deinem Vierbeiner eine möglichst zeckenfreie Saison!

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