Hund jagt Ball

Impulskontrolle – so lernt dein Hund Selbstbeherrschung

Autos, Radfahrer, Hasen, fliegende Bälle oder Besucher – die meisten Hunde würden am liebsten jedem neuen Bewegungsreiz folgen. Schließlich liegt es in ihrer Natur, davonlaufende Beute sofort zu jagen. Dennoch sind diese Impulse in der heutigen Zeit nicht mehr alltagstauglich und manchmal sogar gefährlich. Wie du deinem Hund beibringst, seine Impulse zu kontrollieren, was genau die Impulskontrolle ist und vieles mehr, erfährst du in diesem Artikel. Viel Spaß beim Lesen!

Inhalt

  1. Was bedeutet Impulskontrolle beim Hund?
  2. Impulskontrolle und Frustrationstoleranz
  3. Kann jeder Hund die Impulskontrolle lernen?
  4. Wie kann ich die Impulskontrolle trainieren?
  5. Übungen für die Impulskontrolle
  6. Übung 1: Futter ignorieren
  7. Übung 2: Spielzeug werfen
  8. Impulskontrolle im Alltag

Was bedeutet Impulskontrolle beim Hund?

Die Impulskontrolle bedeutet, dass dein Hund seine Handlungen kontrollieren kann. Wenn also ein bestimmter Reiz auftritt, sollte dein Hund in der Lage sein, nicht sofort zu reagieren, sondern sich zunächst an dir zu orientieren. In der Praxis würde das so aussehen, dass dein Hund beispielsweise vor seinem gefüllten Futternapf sitzen und warten kann, bis du ihm das Signal zum Fressen gibst. Eine andere Situation ist beim Spielen. Hier sollte dein Hund im Sitz oder Platz warten können, während du einen Ball wirfst. Anschließend sollte dein Vierbeiner zu dir kommen und den Ball so gut wie möglich ignorieren. Dafür bekommt er dann natürlich bei dir eine Belohnung.

Impulskontrolle und Frustrationstoleranz      

Die beiden Begriffe gehen im Training immer miteinander einher. Sobald du die Impulskontrolle mit deinem Hund trainierst, gehört auch immer die Frustrationstoleranz dazu und umgekehrt. 

Impulskontrolle bedeutet, dass dein Hund beispielsweise einem Ball hinterherlaufen möchte. Aber anstatt dem nachzugeben, bleibt er sitzen und wartet, bis du ihm das Kommando zum Loslaufen gibst. In diesem Beispiel kann dein Vierbeiner also seinen Impuls kontrollieren. Es kann aber sein, dass er dennoch frustriert ist, weil er nur daran denken kann, den Ball zu jagen. Das kann sich beispielsweise in Jaulen, Winseln, Bellen und einer sehr angespannten Körperhaltung äußern. 

Damit ergibt sich auch die Frustrationstoleranz. Wenn dein Hund die ganze Zeit frustriert ist, weil er seinen Impulsen nicht nachgeben kann, hat er keine Frustrationstoleranz. Wenn er hingegen geduldig wartet, seine Aufmerksamkeit auf dich richtet und das Warten gar nicht schlimm findet, hat er eine sehr gute Frustrationstoleranz. Dein Hund hat dann gelernt, dass er einen Plan B hat, um in einer Stresssituation mit seinem Frust umzugehen. Anstatt zu jaulen, lenkt er seine Aufmerksamkeit zu dir, fragt nach was er tun soll und bekommt anschließend seine Belohnung bei dir. Es geht also nicht darum, dass dein Hund gar keinen Frust mehr empfindet, sondern darum eine Lösung dafür zu haben. Diese Lösung lernt der Hund nach und nach durch verschiedene Übungen, die du mit ihm machen kannst. 

Hütehund folgt Reizen

Kann jeder Hund die Impulskontrolle lernen?

Grundsätzlich kann jeder Hund lernen, seine Impulse zu kontrollieren. Wenn du deinen Hund bereits als Welpe bekommst, solltest du recht früh mit dem Training der Impulskontrolle beginnen. Aber auch ältere Hunde können mit etwas Geduld lernen, ihre Impulse zu kontrollieren.

Je nach Rasse fällt es manchen Hunden schwerer und anderen leichter, ihre Impulse zu kontrollieren. Hütehunde beispielsweise sind sehr stark auf optische Reize fokussiert und tun sich oft schwer damit, diesen nicht nachzugehen.

Bevor du mit dem Training der Impulskontrolle startest, ist es empfehlenswert, deinen Hund von einem Tierarzt untersuchen zu lassen. Spätestens wenn du merkst, dass das Training gar nicht klappt, dein Hund eher aggressiv wird und reizbar ist, solltest du diesen Schritt machen. Manchmal hat dein Hund Schmerzen oder beispielsweise Probleme mit der Schilddrüse und ist deshalb im Training nicht in Bestform.  

Ein positiver Effekt des Impulskontrolle-Trainings ist die Stärkung der Bindung zwischen dir und deinem Hund. Außerdem wird die Grunderziehung deines Hundes gefestigt und er lernt sich auf dich zu konzentrieren. Auch im Alltag ist es viel sicherer für deinen Vierbeiner, wenn er nicht jedem Auto oder Radfahrer unbedingt hinterherjagen möchte. Die Impulskontrolle ist aber nicht nur in gefährlichen Situationen nützlich. Sie bildet auch die Basis für viele andere Trainingseinheiten, wie beispielsweise die Leinenführigkeit. Außerdem stärkt eine funktionierende Impulskontrolle auch die Aufmerksamkeit und Konzentration deines Hundes, da er sich nicht mehr von jedem Reiz ablenken lässt. 

Um eine funktionierende Impulskontrolle deines Hundes zu erreichen, ist es sehr wichtig im Training konsequent zu sein. Du tust deinem Hund keinen Gefallen, wenn er manchmal den Postboten begrüßen darf und ein anderes mal dies streng verboten ist. Das verwirrt deinen Hund und bringt nicht den gewünschten Trainingseffekt.

Wie kann ich die Impulskontrolle trainieren?

Beim Training der Impulskontrolle geht es nicht darum, mit deinem Vierbeiner ein paar bestimmte Tricks zu lernen. Du möchtest ihm stattdessen ein Prinzip vermitteln. Das heißt, dass dein Hund generell lernen muss, sich im Alltag an dir zu orientieren und in reizvollen Situationen nicht einfach seinen Impulsen nachzugeben.

Natürlich kann es anfangs passieren, dass dein Hund beispielsweise vor dem Futternapf seine Impulse kontrollieren und warten kann, aber beim Ballspiel große Schwierigkeiten damit hat.

Um die Impulskontrolle zu trainieren, sollten ein paar grundlegende Kommandos wie „Sitz“ oder „Platz“ funktionieren. Wenn du noch ein paar Tipps für die Grunderziehung brauchst, findest du hier einen Artikel dazu.

Hund wartet vor Ball

Übungen für die Impulskontrolle

Nachfolgend zeigen wir dir zwei einfache Übungen, die du mit deinem Hund Zuhause machen kannst, um seine Impulskontrolle zu trainieren. Dabei ist es hilfreich, wenn du vor dem Training mit deinem Vierbeiner ein kleines Stück spazieren gehst, damit er sich lösen und ein bisschen Energie abbauen kann.

Übung 1: Futter ignorieren

Bei dieser Übung der Impulskontrolle geht es darum, dass dein Hund beispielsweise herumliegende Leckerlis nicht sofort frisst. Er soll stattdessen warten, seine Aufmerksamkeit auf dich richten und durch Blickkontakt nachfragen, ob er das Leckerli fressen darf.

Diese Übung ist auch im Alltag sehr wichtig. Bei einem gut trainierten Hund kannst du damit beispielsweise verhindern, dass er Giftköder frisst.   

Schritt 1: Start der Übung

Diese Übung für die Impulskontrolle startest du, indem du zunächst deinen Vierbeiner Sitz machen lässt und ihn dafür belohnst. So gibst du ihm zu Beginn der Übung ein gutes Gefühl. Nimm nun ein Leckerli in deine verschlossene Hand und lasse deinen Hund daran riechen. Im Idealfall merkt der Hund nach ein paar Versuchen, dass er jetzt nicht an das Leckerli kommt und nimmt sich zurück. Das Zurücknehmen kann so aussehen, dass er sich hinsetzt, hinlegt oder den Kopf wegdreht.

Wenn er nicht damit aufhört, an deiner Hand zu knabbern, nimm die Leckerlis in beide Hände und halte diese verschlossen links und rechts von dir. Durch das Hin- und Herlaufen zwischen den Händen, kommt dein Hund wahrscheinlich eher auf die Idee, sich hinzusetzen und abzuwarten. Dies ist auch bereits der erwünschte Effekt. Dein Hund soll sich etwas zurücknehmen, warten, überlegen und eventuell sogar zu dir sehen. Der Blick zu dir muss anfangs noch nicht unbedingt stattfinden.

Hund Impulskontrolle Leckerli

Schritt 2: Abbruch – Kommando

In einem zweiten Schritt führst du nun ein Abbruch – Kommando ein. Das kann zum Beispiel aus den Worten „Lass es“ bestehen. Dies benutzt du, um deinem Vierbeiner zu signalisieren, dass er sein aktuelles Verhalten unterbrechen soll. Halte ihm also wieder deine verschlossene Hand mit einem Leckerli hin. Sobald er zu dem Leckerli möchte, sagst du dein Abbruch – Kommando. So soll dein Hund lernen, dass er gerade nicht an das Leckerli darf.

Sobald sich dein Hund zurücknimmt und nicht mehr versucht, an das Leckerli zu kommen, belohnst du ihn. Gib ihm dafür ein viel Leckerli aus deiner vorher verschlossenen Hand.

In diesem Trainingsschritt kannst du zwar super die Impulskontrolle deines Hundes testen und üben, aber noch nicht seine Frustrationstoleranz. Diese zeigt und lernt dein Hund erst nach und nach durch das Warten und Aushalten von Reizen.

Schritt 3: Leckerli auf den Boden legen

Wenn Schritt 2 gut funktioniert, kannst du nun den Schwierigkeitsgrad dieser Übung für die Impulskontrolle erhöhen. Dazu legst du nun das Leckerli vor deinen Hund auf den Boden. Wenn er an das Futter möchte, blockst du ihn mit deiner ausgestreckten Hand ab und sagst gleichzeitig dein Abbruch – Kommando. Schreie deinen Vierbeiner hier auf keinen Fall an, sondern sage das Kommando klar und bestimmt.

Sobald du siehst, dass sich dein Vierbeiner zurücknimmt und nicht mehr unbedingt an das Futter will, belohnst du ihn. Das machst du, indem du ein viel besseres Leckerli als das auf dem Boden aus deiner Tasche holst, deinen Hund ein paar Meter von dem Reiz weglockst und ihm das Futter gibst. Es ist in dieser Übung sehr wichtig, dass du ihm nicht das Futter auf dem Boden gibst, an das er unbedingt wollte, sondern etwas aus deiner Tasche. Ansonsten würde er die ganze Zeit darauf warten, an das Leckerli zu dürfen und der Lerneffekt würde verloren gehen. 

In diesem Schritt trainierst du die Impulskontrolle und gleichzeitig die Frustrationstoleranz deines Hundes. Da du ihm durch das bessere Leckerli zeigst, dass es nicht schlimm ist, das auf dem Boden nicht zu bekommen, entwickelt dein Vierbeiner keinen Frust.  

Du kannst diesen Schritt auch aus dem Gehen heraus üben. Dazu gehst du mit deinem Vierbeiner an der Stelle mit dem Leckerli vorbei. Sobald er hin möchte, stellst du dich mit deinem ganzen Körper vor das Leckerli und drehst dich zu deinem Vierbeiner um. Das Leckerli ist jetzt hinter dir und wird von dir blockiert. Sobald sich dein Hund hier wieder zurücknimmt, holst du ein besseres Futter aus seiner Tasche, lockst ihn ein paar Meter weg und gibst es ihm.

Übung 2: Spielzeug werfen

Eine weitere Situation, in der du die Impulskontrolle und Frustrationstoleranz deines Vierbeiners gut testen und üben kannst, ist mit seinem Lieblingsspielzeug. Achte darauf, dass das Spielzeug keine Verletzungsgefahr für deinen Hund darstellt. Es sollte also nicht zu klein sein, nicht splittern und keine spitzen Ecken oder Kanten haben. Das Spielzeug sollte außerdem keine Geräusche machen, um deinen Hund in dieser Übung nicht zu sehr aufzuregen.

Hund Impulskontrolle Spielzeug

Schritt 1: Start der Übung

Platziere deinen Hund zunächst an einer Stelle. Dazu lässt du ihn „Sitz“ oder „Platz“ machen und befiehlst ihm mit „Bleib“ oder „Warte“, in dieser Position zu bleiben.

Anschließend kniest du dich neben deinem Hund, fasst ihn am Halsband und zeigst ihm das Spielzeug. Das Sichern am Halsband ist anfangs wichtig, damit dein Hund an seinem Platz bleibt und nicht dem Spielzeug hinterherläuft.

Sag nun das in der vorherigen Übung etablierte Abbruch – Kommando, beispielsweise „Lass es“, und wirf das Spielzeug. Halte deinen Hund am Halsband fest und warte, bis er nicht mehr zieht, sich entspannt und vielleicht zu dir blickt. Dann belohnst du ihn mit einem Leckerli. Falls dein Hund keine Leckerlis mag, kannst du ihn mit einem zweiten Spielzeug belohnen. Achte aber darauf, deinen Hund nicht zu sehr aufzuregen.

Du kannst nach ein paar Wiederholungen deine Hand von seinem Halsband wegnehmen und warten, ob er zum Spielzeug laufen würde. Ist dies der Fall, musst du sehr schnell reagieren, das Abbruch – Kommando sagen und deinen Hund festhalten oder wieder zu seinem Platz zurückführen. Bleibe dabei ruhig und werde nicht hektisch oder emotional. Bis diese Übung funktioniert, kann es einige Wiederholungen benötigen. Bleibe geduldig und gelassen, es ist ganz normal, wenn es anfangs oder auch zwischendrin mal nicht mehr funktioniert. Übe auch nicht zu lange am Stück, um deinen Vierbeiner nicht zu überfordern.

Schritt 2: Schwierigkeitsgrad erhöhen

Wenn Schritt 1 gut funktioniert, kannst du dich nun ein paar Schritte seitlich von deinem Hund entfernen. Benutze das Abbruch – Kommando und wirf das Spielzeug so vor deinen Vierbeiner, dass ein Dreieck zwischen dir, dem Spielzeug und deinem Hund entsteht. So könntest du zwischen deinen Vierbeiner und das Spielzeug treten, falls er aufsteht.

Wenn dein Hund an seinem Platz bleibt, rufst du ihn nun zu dir und belohnst ihn mit einem Leckerli. In dieser Übung ist es sehr wichtig, dass dein Hund nicht zur Belohnung an das Spielzeug darf, da er sonst die ganze Zeit nur darauf warten würde. Wenn dein Vierbeiner die Situation ausnutzen und zum Spielzeug rennen will, kannst du anfangs mit einer Schleppleine üben. So kannst du ihn auch aus einer gewissen Entfernung davon abhalten, loszulaufen. Wichtig dabei ist, dass du die Schleppleine immer an einem Geschirr und nicht am Halsband befestigst, falls dein Hund mit Schwung losläuft. 

Zu Beginn kannst du das Spielzeug auch auf den Boden legen statt werfen, damit der Impuls für deinen Hund nicht so groß ist. Du kannst ihn während dem Ablegen des Spielzeuges ansprechen und das Kommando zum Warten wiederholen. Falls er dennoch aufsteht und zu dem Spielzeug läuft, blockierst du ihn mit deinem Körper, führst du ihn wieder an seinen vorherigen Platz zurück und wiederholst die Übung. Das kann einiges an Geduld fordern. Achte darauf, dennoch nicht zu streng mit deinem Hund zu werden und niemals Gewalt anzuwenden.

Bei dieser Übung wurde also sowohl die Impulskontrolle, als auch die Frustrationstoleranz geübt. Die Impulskontrolle, indem dein Hund nicht zu dem Spielzeug darf und sich stattdessen an dir orientieren muss. Die Frustrationstoleranz wird geübt, indem du deinem Vierbeiner zeigst, dass er bei dir etwas viel besseres bekommt, als das Spielzeug. Nach und nach wird er dich bevorzugen, den Reiz des Spielzeuges ignorieren und sich stattdessen seine Belohnung bei dir abholen. 

Hund neben Straße Impulskontrolle

Impulskontrolle im Alltag

Bei der Impulskontrolle geht es aber nicht nur um bestimmte Situationen, sondern auch um alltägliche Dinge. Dein Hund sollte beispielsweise nicht einfach zur Tür rennen, wenn es klingelt oder aus dem Auto springen, sobald du den Kofferraum öffnest. Du kannst auch bei einem Spaziergang üben, dass dein Vierbeiner nicht zu jedem interessanten Stein laufen und nicht jeden fremden Hund begrüßen darf.

Es geht darum, die Impulskontrolle und Frustrationstoleranz deines Hundes in jeder Situation zu festigen und ihm dieses Prinzip so früh und oft wie möglich zu vermitteln. Das bedeutet nicht, dass dein Vierbeiner nichts mehr darf. Er soll sich aber grundsätzlich an dir orientieren, auf deine Kommandos warten und nicht einfach jedem Reiz folgen. Eine funktionierende Impulskontrolle bedeutet auch eine große Sicherheit im Alltag für deinen Hund. Ein Hund mit einer gut trainierten Impulskontrolle, wird beim Spaziergang mit großer Wahrscheinlichkeit keine herumliegenden Giftköder fressen, keine Jogger jagen und allgemein bedachter handeln.

Falls das Training mit deinem Vierbeiner gar nicht klappt, kannst du dich immer an eine Hundeschule oder einen Hundetrainer wenden. Wir wünschen dir viel Spaß im Training mit deinem Vierbeiner!

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