Ein Schäferhund zeigt Zähne.

Hilfe, mein Hund beißt! Ursachen & Tipps bei aggressivem Verhalten

Was tun, wenn der Hund beißt? Wer einmal einem knurrenden Hund gegenüberstand weiß, wie bedrohlich eine solche Situation sich anfühlen kann. Wann aber ist ein Hund eigentlich wirklich aggressiv? Welche Ursachen stecken hinter aggressivem oder sogar bissigen Verhalten? Und wie sollte man auf Aggressionsverhalten bei Hunden reagieren? Das und vieles mehr erfährst du in diesem Artikel. Viel Spaß beim Lesen!

Inhalt

  1. Dein Hund beißt? Die Ursachen für Aggressionsverhalten beim Hund
  2. Die Körpersprache eines aggressiven Hundes
  3. Was kann ich tun, wenn mein Hund beißt und aggressiv ist?
  4. Kann es sein, dass ein aggressiver Hund eingeschläfert werden muss?
  5. Häufige Fehler im Umgang mit aggressiven Hunden

Dein Hund beißt? Das sind die Ursachen für Aggressionsverhalten beim Hund

Grundsätzlich ist Aggression eine natürliche Verhaltensweise des Hundes, die unter anderem das Zusammenleben regulieren kann. wedog Trainerin Ute Heberer hat in ihrem Buch über das hündische Aggressionsverhalten verschiedene Motivationen identifiziert: Ressourcenbedingte, statusbedingte, sozial motivierte, sexuell motivierte, territoriale, umgelenkte, erlernte und angstbedingte Aggression sowie viele weitere Formen. 

Drohgebärden wie zum Beispiel Knurren oder Bellen sind also in erster Linie Kommunikation und nicht automatisch Anzeichen für ein problematisches Verhalten. Allerdings kann ein übersteigertes Aggressionsverhalten für Menschen und andere Tiere gefährlich werden. Die Ursachen für ein solches Problemverhalten sind vielfältig. Kein Hund kommt gefährlich auf die Welt oder wird über Nacht plötzlich zur reißenden Bestie. Vielmehr gibt es unterschiedliche Faktoren, aus denen aggressives Verhalten bei Hunden entstehen kann. Einige davon sind: 

Genetische Veranlagung

Das ursprüngliche Zuchtziel der meisten Hunderassen ist auch heute noch spürbar, obwohl die meisten Hunde mittlerweile nicht mehr für ihre eigentliche Aufgabe eingesetzt werden. Das betrifft nicht nur Rassen, die darauf selektiert wurden, aktiv gegen andere Tiere zu kämpfen – auch Jagd-, Herdenschutz- und Wachhunde werden von Merkmalen bestimmt, die abseits ihres früheren Verwendungszwecks zu Problemen führen können. Ein Beispiel ist der Weimaraner, der neben seinen jagdlichen Eigenschaften in der Vergangenheit auch die Aufgabe hatte, seine Herren vor Räubern zu schützen und der entsprechend auf eine gewisse Mannschärfe selektiert wurde.

Bei anderen Rassen, vor allem den heutigen Listenhunden, war eine niedrige Reizschwelle gepaart mit einer hohen Beißkraft gewünscht. Trotzdem ist es unsinnig, jeden Listenhund undifferenziert als gefährlich abzustempeln. Mit der richtigen Erziehung kann der Entwicklung von übersteigertem Aggressionsverhalten entgegen gewirkt werden. Umgekehrt kann auch bei vermeintlich ruhigen und ausgeglichenen Rassen Problemverhalten durch falsches Handling entstehen. 

Mangelnde oder falsche Erziehung

Bei diesem Punkt muss nicht zwangsläufig die Misshandlung durch den Menschen eine Rolle spielen. Es kann schon ausreichen, dass Halter*innen unwissentlich jene Eigenschaften und Talente ihrer Hunde fördern, die zu Problemverhalten führen können. Auch ungeeignete Trainingsmethoden, missverständliche Kommunikation oder das Ignorieren von Konflikten können in einem unkontrollierbaren Aggressionsverhalten beim Hund gipfeln.

Falls du mit deinem Hund noch ganz am Anfang stehst: Die wichtigsten Themen zur Grunderziehung haben wir mit verschiedenen Trainer*innen in Onlinekursen aufbereitet. 

Fehlende Sozialisation

Es ist sehr wichtig, dass dein Welpe bereits in den ersten Lebenswochen mit unterschiedlichen Situationen konfrontiert wird. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Alltagssituationen, wechselnde Untergründe, Gerüche sowie Geräusche und der Kontakt sowohl zu anderen Hunden als auch Menschen. Fehlt dieser entscheidende Baustein, kann sich daraus später problematisches Verhalten entwickeln. Eine solche Entwicklungsstörung nennt man auch Deprivation. 

Angst

Ein unsicherer oder ängstlicher Hund kann aus Selbstschutz aggressiv reagieren. Dabei kann es dann auch vorkommen, dass der Hund beißt. Denn Ängste vor bestimmten Dingen, Menschen oder anderen Hunden können durch schlechte Erfahrungen, falsche Erziehung oder mangelnde Sozialisation entstehen. Besonders bei Hunden aus dem Tierschutz sind Ängste nicht selten vorhanden. Woran du Ängste erkennen und wie du mit ihnen umgehen kannst, erklärt dir Ute Heberer in einem Kurs zu den ersten Tagen deines Tierschutzhundes.

Wach- und Schutztrieb

Kommt es zu Situationen, in denen dein Vierbeiner der Meinung ist, dich oder sein Revier verteidigen zu müssen, kann das für deine Umwelt schnell gefährlich werden. Häufig kommt es zu einem solchen Verhalten, wenn dich dein Hund in der Erziehung nicht als souverän genug empfindet oder seine Tendenzen bislang nicht ausreichend ernst genommen und korrigiert wurden. 

Ein Terrier auf einer Wiese bellt.

Krankheiten

Schmerzen können ebenfalls ein Grund für eine Aggressionsproblematik sein. Das kann sich bei Berührungen an bestimmten Stellen äußern. Auch neurologische Probleme und damit einhergehende Veränderungen am Gehirn können deinen Hund angriffslustig machen. Lasse deinen Hund tierärztlich untersuchen, wenn du den Eindruck hast, dass es eine medizinische Ursache für sein Verhalten geben könnte. 

Verteidigen der Rangordnung oder von Ressourcen

Dass Hunde Ressourcen verteidigen möchten und sich deswegen aggressiv zeigen, ist sicher eine der bekanntesten Ursachen. Es kann aber auch sein, dass dein Hund in Frage stellt, ob du zum Beispiel bestimmte Dinge wie Futter oder einen Schlafplatz verwalten darfst. Dabei ist die Ressource nicht der Grund für das aggressive Verhalten, sondern vielmehr ein Mittel, über das dieser Konflikt ausgetragen wird. Ein konsequenter Umgang ist hier der Schlüssel. Bessert sich das Verhalten deines Hundes nicht, solltest du dir Hilfe suchen und dich fundiert informieren. 

Pubertät

Die Pubertät beginnt bei Hunden etwa ab dem siebten Lebensmonat und kann bis zum zweiten Lebensjahr dauern. Manche Rüden beginnen in dieser Zeit durch den Überschuss an Testosteron ihre Grenzen auszuloten und verhalten sich vermehrt dominant, insbesondere gegenüber anderen unkastrierten Rüden. Hündinnen neigen teilweise dazu, während ihrer ersten Läufigkeit sehr territorial zu werden, also ihr Revier verteidigen zu wollen. 

Falsche Haltung

Ein Mangel an Bewegung, Zuwendung und Auslastung sorgt dafür, dass es deinem Hund nicht gut geht, was sich durchaus auch in Problemverhalten äußeren kann. Sowohl körperliche als auch geistige Beschäftigungen sind wichtig für das Wohlbefinden deines Hundes. Aber Achtung: Zu viel Bewegung und dadurch entstehende Erschöpfung ist auch nicht erstrebenswert.

Leinenaggressivität

Manche Hunde, die eigentlich friedlich sind, zeigen aggressives Verhalten sobald sie angeleint werden. Diese Aggressionen können sich sowohl gegen Artgenossen als auch gegen Menschen richten. Die Leine beschränkt die Körpersprache und die Bewegungsmöglichkeiten eines Hundes, was bei manchen Hunden zu Unsicherheit führen kann. Hundekontakt an der Leine sorgt für erzwungene Nähe und sollte vermieden werden. Des Weiteren kann es sein, dass es sich um sozial motiviertes Verhalten handelt – manche Hunde pöbeln nur dann, wenn sie von ihren Besitzer*innen geführt werden. 

Wenn du grundlegende Tipps und Informationen zum Thema Leinenführigkeit möchtest, haben wir dazu einen eigenen Artikel auf unserem Blog. Außerdem erklärt Trainerin Charly Arzberger in diesem Onlinekurs alle wichtigen Grundlagen zur Leinenführigkeit.

Hund zeigt die Zähne und ist aggressiv

Die Körpersprache eines aggressiven Hundes

Ob sich dein Hund gerade wirklich aggressiv verhält, kannst du schnell an seiner Körpersprache ablesen. Bevor ein Hund zum Angriff übergeht, treten normalerweise bestimmte Warnzeichen auf, die auf ein aggressives Verhalten hindeuten. Das können sehr deutliche Signale wie Knurren oder Bellen sein. Manche Hinweise sind subtiler und nicht immer sofort zu erkennen: Das Hochziehen der Lefzen, steife Bewegungen, ein fixierender Blick und aufgestelltes Fell im Nackenbereich. Werden diese Warnungen ignoriert, kann es dazu kommen, dass dein Hund beißt.

Falls du einen Hund hast, der aus Angst Aggression zeigt, können diese Warnzeichen mitunter ganz anders aussehen. Ein Hund der Angst hat, macht meist einen runden Buckel, die Ohren liegen flach an, die Rute wird zwischen den Beinen eingeklemmt und die Hinterbeine knicken ein. Insgesamt versucht der Hund sich klein zu machen, eventuell zeigt er dabei auch Lautäußerungen wie winseln.

Bedenke, dass nicht jedes Knurren gleich heißt, dass dein Hund problematisches Verhalten zeigt. Drohverhalten ist in bestimmten Situationen wichtig für deinen Vierbeiner und nicht per se gefährlich. Jeder Hund, ja sogar jedes Lebewesen, braucht ein gewisses Maß an Aggression, um das eigene Überleben zu sichern. Werden die Warnsignale des Hundes radikal und undifferenziert unterbunden, führt das im Zweifel zu einem Hund, der statt zu drohen ohne Vorwarnung beißt. 

Ein Hund greift einen anderen Hund an.

Was kann ich tun, wenn mein Hund beißt und aggressiv ist?

Zunächst solltest du deinen Hund mit einem Maulkorb absichern, um Schäden an dir, deinen Mitmenschen oder anderen Tieren zu verhindern. Im ersten Schritt ist es dann wichtig, dich mit den Ursachen für das Verhalten deines Hundes befassen. 

Sobald du die Gründe für die Aggression kennst, kannst du den zweiten Schritt machen. Dieser besteht daraus, die bestimmten Situationen und Reize zunächst zu vermeiden, die deinen Hund zu dem unerwünschten Verhalten anregen. Wenn du beispielsweise herausgefunden hast, dass dein Vierbeiner bei großen Menschenmengen oder bei Kontakt mit Artgenossen aufgeregt und aggressiv wird, versuche dem vorerst aus dem Weg zu gehen. Mach im Training einen Schritt zurück und festige die Regeln, die ihr im Zusammenleben habt, und die Beziehung zwischen dir und deinem Hund. Versuche immer selbstbewusst aufzutreten und deinem Hund zu zeigen, dass du den Ton angibst. Dabei sollte nie Gewalt zum Einsatz kommen. Souveränität, Konsequenz und eine positive Ausstrahlung geben deinem Hund Sicherheit und die Möglichkeit, sich an dir zu orientieren.

Im dritten Schritt geht es darum, deinen Hund an die Situationen zu gewöhnen, die bei ihm übersteigertes Aggressionsverhalten auslösen. Das Ziel dabei ist es, deinen Hund für die auslösenden Reize zu desensibilisieren. Sichere dir dafür unbedingt die Unterstützung von Expert*innen. Sich in einer solchen Situation Hilfe zu holen bedeutet nicht, dass du versagt hast. Es zeigt, dass du alles tust, um deinem Vierbeiner ein ruhigeres und ausgeglicheneres Leben zu ermöglichen. Denke auch daran, immer geduldig mit deinem Hund zu sein. Veränderung braucht Zeit. 

Hund beißt einen anderen Hund

Wie verhalte ich mich gegenüber einem aggressiven Hund?

Wenn dein Hund aggressives Verhalten dir gegenüber zeigt oder du vielleicht sogar unvorbereitet auf einen angriffslustigen Hund triffst, solltest du zunächst immer versuchen, die Situation zu deeskalieren. Bleibe unbedingt stehen, da Wegrennen die Situation besonders bei einem fehlgeleiteten Beutefangverhalten weiter verschlimmern würde. Vermeide plötzliche und schnelle Bewegungen und fange auch nicht an zu schreien. Falls möglich, kannst du versuchen ein großes Objekt zwischen dich und den Hund zu bringen. Bewege dich dabei langsam und wende dich seitlich zu dem Hund. Schaue ihn nicht frontal an, drehe ihm aber auch nicht den Rücken zu.

Wenn du dich wie oben beschrieben verhältst, verliert der Hund idealerweise bald das Interesse an dir. Wenn das nicht geschieht und er tatsächlich angreift, versuche etwas vor dich zu halten, in das der Hund beißen kann. 

Kann es sein, dass ein aggressiver Hund eingeschläfert werden muss?

Bei gefährlichen, bissigen Hunden mit deutlichem Problemverhalten sollte der letzte Ausweg die Euthanasie, also das Einschläfern sein. Bevor es dazu kommt, können aggressive Hunde an Trainer*innen abgeben werden, die sich auf problematisches Verhalten spezialisiert haben. Oft gelingt es ihnen, Hunde mit Aggressionsverhalten wieder händelbar zu machen. Anschließend können diese Hunde meist nur an Menschen vermittelt werden, die genug Erfahrung mitbringen. 

Einschläfern wird dann nötig, wenn der bissige Hund eine ernste Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Das ist insbesondere der Fall, wenn der Hund bereits Menschen verletzt oder gar getötet hat. In solchen schwerwiegenden Angelegenheit wird die Euthanasie nicht selten behördlich angeordnet und durchgesetzt. In weniger aussichtslosen Fällen können die zuständigen Behörden eine Leinen- und/oder Maulkorbpflicht für einzelne Tiere aussprechen. 

Hund zeigt Kind die Zähne

Häufige Fehler im Umgang mit aggressiven Hunden

Der Umgang mit problematischem Aggressionsverhalten von Hunden ist sehr komplex und gehört in die Hände eines erfahrenen Hundeprofis. Allerdings gibt es ein paar Dinge, die auch du vermeiden kannst: 

Augen auf beim Hundekauf 

Bedenke, dass viele Faktoren zu Aggressionsproblemen führen können. Achte bei der Wahl deines Hundes also darauf, dass du möglichst viel über den Hund und seine Vergangenheit weist, egal ob du dir einen Welpen oder einen Hund aus dem Tierschutz möchtest. Es kann außerdem fatal sein, mögliche Auswirkungen von Genetik und Erbanlagen zu verharmlosen. Informiere dich ausreichend über die Rasse, die du dir ins Haus holst. Deine eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen im Umgang mit Hunden solltest du außerdem realistisch einschätzen können. 

Wenn du aktuell auf der Suche nach einer passenden Rasse für dich bist, haben wir in diesem Artikel eine kleine Orientierungshilfe für dich.

Vermeide diese falsche Reaktion wenn dein Hund beißt oder sich aggressiv verhält

Wenn sich dein Hund aggressiv verhält, solltest du ihn nicht streicheln oder ihm gut zusprechen. Damit bestätigst du sein unerwünschtes Verhalten. Ein situationsgerechtes Unterbinden seines aggressiven Auftretens und Lob, wenn er sich beruhigt hat, sind hier zielführender.

Auch lösen sich Konflikte in der Regel nicht von allein. Ignoriere niemals Verhalten, das du als problematisch empfindest. Wenn du nicht sicher bist, welche Reaktion angemessen ist, lasse dich professionell beraten. 

Gewalt als Antwort bei aggressivem Verhalten des Hundes?

Gewalt sollte niemals Teil der Hundeerziehung sein und sorgt selten dafür, dass sich das problematische Verhalten eines aggressiven Hundes bessert. Finde stattdessen die Ursachen seiner Aggression, stärke eure Bindung und den Grundgehorsam deines Hundes und arbeite anschließend unter Anleitung an den entsprechenden Situationen. 

Bitte beachte, dass dieser Artikel keine professionelle Hilfe ersetzt. Bei schwerwiegenden Problemen mit deinem Hund solltest du dich immer an eine qualifizierte Person oder eine Hundeschule wenden. 

Wir wünschen dir viel Erfolg mit deinem Vierbeiner! 

Möchtest du weitere Tipps zur hundegerechten Ausbildung und Erziehung erhalten? Dann teste wedog.com. Unsere Trainer*innen stehen dir jederzeit in lehrreichen Online Kursen zur Seite.

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