Ein Hund hält eine Leine im Maul.

Königsdisziplin Leinenführigkeit – Wie dein Hund entspannt an der Leine läuft

Unter einem harmonischen Spaziergang verstehen die meisten Hundehalter*innen, dass der Hund brav neben dem Menschen an der Leine geht. Die Realität sieht aber oft anders aus: Der Hund zieht, sobald es vor die Tür geht, und hört auch erst wieder auf wenn, man Zuhause ist. Kommt dir das bekannt vor? Dann ist dieser Artikel genau das Richtige für dich. Hier erfährst du, was Leinenführigkeit überhaupt ist, warum sie wichtig ist und wie du daran arbeiten kannst. Viel Spaß beim Lesen! 

Inhalt

  1. Was ist Leinenführigkeit?
  2. Das ist vor dem Training wichtig
  3. Methode 1: Signalgebung über die Führleine
  4. Methode 2: Körperliche Blockade
  5. Was ist besser: Geschirr oder Halsband?
  6. Häufige Fehler bei der Leinenführigkeit

Was ist Leinenführigkeit?

Wenn man davon spricht, dass ein Hund leinenführig ist, heißt das: Der Hund hat gelernt an lockerer Leine neben seinem Menschen zu gehen. Er zieht trotz unterschiedlicher Umwelteinflüsse wie anderen Hunden, Menschen, Wild oder anderen Reizen nicht an der Leine. Leinenführigkeit meint also in erster Linie, dass der Hund sich am Menschen orientiert. 

Folglich ist Leinenführigkeit nicht gleichzusetzen mit dem Kommando „Fuß“, das zum Beispiel bei einer Begleithundeprüfung gezeigt werden muss. Beim Fuß laufen geht der Hund immer auf der linken Seite an einer festgelegten Position. Im Gegensatz dazu kann Leinenführigkeit auch bedeuten, dass der Hund sich rechts vom Menschen befindet oder die Leine Spielraum nach vorne lässt. Der Raum, in dem sich der Hund am Menschen orientieren soll, kann also je nach Situation und individuellen Bedürfnissen variieren. 

Warum ist Leinenführigkeit wichtig?

Leinenführigkeit ist für einen harmonischen Alltag unerlässlich. Immerhin gehört tägliche Bewegung zu den Grundbedürfnissen deines Hundes. Dabei kann dein Vierbeiner nicht immer frei laufen: Je nach Bundesland herrscht eventuell Leinenpflicht an bestimmten Orten oder zu gewissen Zeiten. Besonders innerorts, bei großen Menschenmengen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln müssen Hunde meist an die Leine, auch zur ihrer eigenen Sicherheit. Manche Hunde können (noch) keinen Freilauf genießen, weil der Rückruf nicht ausreichend gefestigt oder ihre jagdliche Motivation zu groß ist. Dem Thema Jagdverhalten haben wir hier einen eigenen Artikel gewidmet.

Wenn du es schaffst, deinem Hund das lockere und entspannte Gehen an einer Leine beizubringen, bietet das dir und deinem Vierbeiner viele Möglichkeiten für eure Freizeitgestaltung. Ein Hund, der die Leinenführigkeit beherrscht, kann problemlos an die verschiedensten Orte mitgenommen werden. Wenn du es richtig angehst, sorgt die Leinenführigkeit auch für eine bessere Beziehung zwischen dir und deinem Begleiter, da du Verantwortung übernimmst und Sicherheit gibst. 

Leinenführigkeit Hund

Das ist vor dem Training wichtig

Aber was muss man eigentlich beachten, wenn man an der Leinenführigkeit arbeiten möchte? Zunächst einmal solltest du dir darüber im Klaren sein, dass es für deinen Hund keine selbstverständlich Aufgabe ist, an einer Leine zu laufen. Kaum ein Hund ist von Natur aus leinenführig und es braucht in der Regel viele Wiederholungen, um ein bestimmtes Verhalten zu festigen. 

Bevor es nach draußen geht, solltest du möglichst wenig Aufregung verbreiten. Starte entspannt in euren Spaziergang, um es deinem Hund von Anfang an leichter zu machen. Denke daran, dass nicht nur deine Körpersprache, sondern auch deine Stimme für Aufregung sorgen kann. Wenn du deinen Hund ansprichst, achte auf eine ruhige, nicht zu hohe Tonlage. 

Bei der Leinenführigkeit geht es auch darum, deinem Hund zu vermitteln, dass du die Entscheidungen triffst. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass du den Leinenraum zu einer Art „Sicherheitszone“ für deinen Hund machen musst und ihn im Zweifel vor Gefahren bewahren solltest, wenn die Situation das erfordert. Er soll sich voll und ganz auf dich verlassen können. 

Wo sollte das Training stattfinden?

Zunächst solltest du in einer reizarmen und ablenkungsfreien Umgebung beginnen. Das kann auch ein Ort sein, an dem du eigentlich keine Leine benötigst, zum Beispiel ein eingezäunter Hof oder Garten. Wenn du auf dem Spaziergang starten willst, wähle eine Strecke, auf der dir nach Möglichkeit wenig andere Menschen und andere Hunde begegnen. Erwarte nicht, dass dein Hund ohne zu Ziehen an anderen Hunden vorbei gehen kann, wenn ihr gerade erst angefangen habt. Nach und nach kannst du das Training in eine Umgebung mit mehr Umweltreizen verlegen.

Hund Leinenführigkeit

Methode 1: Signalgebung über die Führleine 

Es gibt sehr viele unterschiedliche Techniken, die du nutzen kannst. Bei allen ist vor allem eins essentiell: Beharrlichkeit. Erfolg wirst du nur haben, wenn du dran bleibst. Wir zeigen dir im Folgenden zwei Möglichkeiten für deinen Weg zur lockeren Leine. 

In der ersten Methode ist die Leine ein Signalgeber. Hierbei gibst du kurze Impulse über die Leine, um die Aufmerksamkeit deines Hundes auf dich zu lenken. Damit kannst du schon im Stehen starten: Dein Hund soll sich in deinem Nahbereich aufhalten, ohne an der Leine zu ziehen. Tut er das doch, gibst du einen kurzen Impuls über die Leine und lädst deinen Hund körpersprachlich zu dir ein. Wichtig ist, dass du ihm für seine Reaktion an dieser Stelle keine Belohnung gibst, um eine falsche Verknüpfung zu vermeiden. Belohnenswert ist es, wenn dein Hund den Raum der Leine von sich aus hält. 

Dasselbe Prinzip kannst du auch in Bewegung anwenden, wenn dein Hund abgelenkt ist. Beachte, dass du nicht an der Leine ziehen, sondern nur kleine, feine Impulse geben sollst. Diese Korrekturen sorgen dafür, dass dein Hund aus Eigeninitative sein Verhalten ändert. Für die aktive Kontaktaufnahme, beispielsweise durch Blickkontakt, kannst du deinen Hund belohnen – gerne auch mit Futter. 

Methode 2: Körperliche Blockade 

Diese Technik bietet sich an, wenn dein Hund zum Überholen neigt. Sobald dein Hund dich überholt, drehst du dich in seine Richtung und leitest einen Richtungswechsel ein. Dabei hast du die Leine in beiden Händen: Eine Hand hält die Mitte der Leine, die Andere das Ende. Der Hund sollte dabei immer auf der Innenseite des Kreises sein, den du gehst. 

Auch die körperliche Blockade ist keine Strafe, sondern eine Korrektur, mit der du die Aufmerksamkeit deines Hundes auf dich lenken kannst. Eigenständige Orientierung an dir wird bei dieser Methode ebenfalls belohnt, sei es mit einem stimmlichen Lob oder mit Futter. 

Falls du eine ausführlichere Erklärung haben möchtest: wedog Trainerin Charly Arzberger erklärt in diesem Kurs Schritt für Schritt alle wichtigen Grundlagen zur Leinenführigkeit.

Was ist besser: Geschirr oder Halsband?

Die Gretchenfrage unter den Hundehalter*innen: Geschirr oder Halsband? Für die Leinenführigkeit eignet sich grundsätzlich ein nicht zu schmales Halsband. Das Geschirr kann beispielsweise zum Einsatz kommen, wenn du gerade nicht aktiv an der Leinenführigkeit arbeiten kannst oder deinen Hund an einer Schleppleine führst. So schonst du den Hals deines Hundes. Du kannst deinem Hund auch beides anlegen und je nach Verfassung die Leine am Halsband oder am Geschirr befestigen. 

Falls du dir nicht sicher bist, welches Hilfsmittel für deinen Hund geeignet ist, solltest du dich von einem/einer qualifizierten Hundetrainer*in beraten lassen.  In diesem Kursvideo zeigt wedog Trainerin Charly Arzberger, welche Ausrüstung sie verwendet.

Auf keinen Fall solltest du zu Ausrüstungsgegenständen wie Stachelhalsband, Endloswürger oder Teletakt greifen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind diese Hilfsmittel verboten, denn sie können deinem Hund ernsthafte Schäden zufügen. Auch ein zu enges oder zu dünnes Halsband kann die Verletzungsgefahr erhöhen. 

Hund an der Leine

Häufige Fehler bei der Leinenführigkeit 

Folgende Fehler solltest du vermeiden, wenn du möchtest, dass dein Hund sich an dir orientiert.

Mangelnde Aufmerksamkeit

Nicht nur dein Hund sollte aufmerksam bei der Sache sein, sondern du auch. Dein Vierbeiner kann deine Körpersprache und Stimmung sehr gut lesen. Insbesondere wenn ihr euch noch im Aufbau befindet, solltest du nebenher nicht am Handy hängen oder dich anderweitig ablenken lassen. 

Achte also vor dem Training zunächst einmal auf deine eigene Stimmung und  versuche, die nötige Konzentration und Gelassenheit für die bevorstehende Aktivität aufzubringen. Eine aufrechte Körperhaltung und ein ruhiger Gang sind ebenfalls empfehlenswert. 

Hast du einen schlechten Tag und kannst deinen Hund entsprechend nicht gut führen, kannst du auf das Geschirr umsteigen und deinem Hund klar signalisieren, dass er ziehen darf. So machst du dir deine Erfolge nicht kaputt. 

Ungeduld 

Ganz besonders, wenn dein Hund schon viele Jahre erfolgreich an der Leine ziehen durfte, darfst du anfangs nicht zu viel erwarten. Es kann Wochen oder Monate dauern, bis sich Erfolge festigen und sich das Verhalten deines Hundes an der Leine nachhaltig ändert. Bleib geduldig und lasse dich auch durch Rückschritte nicht aus der Ruhe bringen. Konsequenz zahlt sich bei der Leinenführigkeit am Ende immer aus.

Überforderung

Gib deinem Hund ausreichend Pausen, in denen er das Gelernte verarbeiten kann. Bedenke, dass vor allem junge Hunde nur in sehr kurzen Sequenzen überhaupt aufnahmefähig sind. Auch bei erwachsenen Hunden ist weniger oftmals mehr: Die Orientierung am Menschen ist mental sehr anspruchsvoll und fordert den Hund deutlich mehr als rein körperliche Aktivitäten. Dementsprechend solltest du die Länge des Trainings anpassen, um deinen Hund nicht an seine Grenzen zu bringen. 

Hundekontakt an der Leine

Es ist allgemein bekannt, dass Hunde soziale Tiere sind. Nichtsdestotrotz muss dein Hund nicht zu jedem anderen Hund Kontakt haben, den ihr auf eurem Spaziergang trefft. Das kann sogar ausgesprochen stressig für deinen Vierbeiner sein, denn das Kennenlernen zwischen zwei sich fremden Hunden bedeutet zumeist auch Aufregung und Anspannung. In jedem Fall sollte Hundekontakt nicht an der Leine stattfinden, denn die Leine schränkt deinen Hund stark in seiner natürlichen Kommunikation ein. Im schlimmsten Fall kann daraus eine Leinenaggression entstehen. 

Fehlende Beschäftigung 

Ausschließlich an kurzer Leine spazieren zu gehen für viele Hunde nicht ausreichend. Schaffe Alternativen, bei denen dein Hund geistig und körperlich ausgelastet wird – das kann sich auch positiv auf die Leinenführigkeit auswirken. Falls du noch keine Idee hast, welche Beschäftigung für dich und deinen Hund geeignet sein könnte, findest du hier unseren Artikel zum Hundesport.

Bei anhaltenden Problemen mit dem Verhalten deines Hundes, solltest du immer qualifizierte Unterstützung suchen. Sollte dein Hund dich an der Leine anspringen oder in die Leine beißen, helfen dir unsere Kurse von wedog Trainerin Melanie Fydrich weiter.

Ansonsten wünschen wir dir viel Spaß mit deinem besten Freund!

Wenn du dich für Hundetraining interessierst, dich weiterbilden möchtest und eine starke Partnerschaft zwischen dir und deinem Hund aufbauen willst, dann schau unbedingt mal bei wedog.com vorbei! In lehrreichen Online Kursen zeigen dir unsere Trainer*innen zu verschiedenen Themen, wie z.B. ErziehungBeschäftigung und Hundekauf Übungen, Tipps und Tricks.

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